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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 347 -
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347 halten zwar die Mondbilder für Zeichen, welche den Zeitpunkt des Todes anzeigen, aber zumeist steht die in der Inschrift angegebene Sterbezeit im Widerspruch zu dem in das Kopfholz eingeschnittenen Bilde des zu- oder abnehmeiideu Mondes. Am wahrschein- lichsten sind die Mondbilder, die oft menschlichen Gesichtern gleichen, Spnren ehemaliger Mondanbetnug. Ausfallend ist es dabei noch, daß der Typus der iu deu Mondbildern erscheinenden menschlichen Gesichter häufig ein ganz fremdartiger ist und eine überraschende Ähnlichkeit mit den auf alten Fresken vorkommenden knmanischen Gesichtern hat. In einigeil Theilen der Nyirgegend herrscht auch die Sitte, das Kopfholz eines Verunglückten roth zu bemalen. Die Ureinwohner der Nyirgegend sind Magyaren, jene Ortschaften aber, welche durch die Stürme der Jahrhunderte verheert wurden, bevölkerten sich später meist mit Ansiedlern anderer Nationalitäten. Nyiregyhaza ist größtenteils slovakische Ansiedluug, Rakamaz, Ujvenesellö, Napkor, Bäcspetri und andere sind schwäbische, Källö-Semjen, Nyir-Adony, Nyir-Lugos walachische, ja Pätroha, Kis- und Nagy-Bäka sogar alte Zigeuuercolouien. Aber auch diese Ansiedler sprechen alle schon ungarisch, zum Theil sind sie auch gänzlich magyarisirt. Der Religion nach ist das Volk resormirt, römisch- und griechisch katholisch, doch gibt es auch Juden in bedeutender Anzahl. Die Magyaren der Nyir, im Äußeren denen des übrigen Alsöld gleich, sind ein nüchternes, intelligentes Volk, dabei tapfer und von selbstbewußter Haltung. Sie fassen rasch auf, sind lebhaft von Gemüthsart und iutereffiren sich außerordentlich für die öffentlichen Angelegenheiten; sie lesen uud Politisiren sehr gern, sie sind freundlich, wenn auch nicht frei von einem gewissen zurückhaltenden Stolz, der noch ein Erbtheil aus alter adeliger Zeit ist. Die Urvätertugend der Gastlichkeit ist noch heute iu hohem Maße vor- handen, doch äußert sie sich nicht so maßlos wie selbst noch vor wenigen Jahrzehnten. Damals war die übertriebene Gastfreundschaft hier und da ein förmliches Hinderniß des freien Verkehrs. So gab es einen reichen Edelmann, der so weit ging, daß er am Eude des Dorfes, in dem er wohnte, bewaffnete Hajdncken aufstellte, die ihm alle Vorbei- kommenden, wenn sie nicht gutwillig daraus eingingen, mit Gewalt als Gäste in sein Kastell zu liefern hatten, wo es dann kein Sterblicher zuwege brachte, vor Ablauf dreier Tage wieder loszukommen; um aber ganz sicher zu sein, daß keiner seiner gepreßten oder freiwilligen Gäste vorzeitigen Abschied nehmen könne, ließ er ihnen einfach die Räder vom Wagen confiscireu. Uud damit dieser Edelmann durch seine große Gastfreundschaft Niemanden zu Schaden bringe, bezahlte er dem jüdischen Gastwirth seines Dorfes aus lauter Billigkeitsgefühl als Entschädigung für jeden abgefangenen Gast pünktlich eiueu blanken Zwanziger, denn diese Gäste Hütten ja auch dort absteigen können. Auf den Schlössern und in den geräumigen Enrien des Adels gab es damals fast nnnnterbrochen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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