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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 362 -
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362 Leinenhosen, im Winter aber weiße Lammfellmützen und weiße Gnbamäntel. Ihre heutige Tracht besteht aus schönen gewichsten Stiefeln, schwarzen oder dunkelgrauen ungarischen Hosen und einer Tuchjacke, die im Winter mit Lammsfell gefüttert ist. Im Winter benutzen sie als Reisekleidung auch den nach Art der Militärmäntel geschnittenen Szür. Ihre Frauen tragen im Winter meist die Tuchjacke, aber hier und da auch die mit kurzen schwarzen Löckchen besetzte lange Gnba. Von ihrer Volksdichtung haben sich noch etwelche Spuren erhalten in jenen lang ausgesponnenen, romanzenartigen Gesängen, deren Bruchstücke das junge Volk, wenn es sich an Sonntagen nach der Kirche versammelt, zu singen pflegt. Aber diese Lieder sind dermalen schon lückenhaft und verunstaltet; den völligen Untergang der Volkspoesie der Schwaben bekundet am deutlichsten, daß sie keine Liebeslieder mehr haben. Auch ihre Heirats- und Hochzeitsgebräuche sind nicht uninteressant. Nachdem die Eltern die materielle Frage geordnet und vor dem Notar den Ehevertrag geschlossen haben, folgt die Trauung, die gewöhnlich an einem Dienstag stattfindet und mit einer großen Hochzeitsfeier verbunden ist. Die Köchinnen, aus der Verwandtschaft der Braut und des Bräutigams erkoren, haben schon Tags vorher ihr Kochen und Backen begonnen. Alle Verwandten, die an der Hochzeit theilzunehmen wünschen, haben bereits zwei Tage früher ein oder zwei Hühner ins Hochzeitshaus gesandt, um dadurch gleichsam anzumeldeu, daß die ganze Familie mit Kind und Kegel dabei sein werde. Die Hochzeitbitter laden nicht ein, sondern warten nur bei Tische auf. Vor der Trauung läßt der Beistand das Mädchen von ihren Eltern Abschied nehmen, nach der Trauung aber wird im Gasthause bis zum Mittagmahl getanzt, das um 2 Uhr beginnt und bis 4 oder 5 Uhr dauert. Während des Mahles muß ein Kind aus der Verwandtschaft der Braut oder des Bräutigams einen Schuh vom Fuße der Braut stehlen, welche dann den Beistand aufmerksam macht, daß ihr ein Schuh fehlt. Der Beistand forscht den Dieb aus und löst den Schuh nach längerer Unterhandlung zurück. Nach dem Mahle wird wieder getanzt bis Mitternacht. Jetzt geht das Brautpaar, von den Freundinnen der Braut gefolgt, heim; die Brautführer, Kranz- mädchen und Freundinnen singen mancherlei Abschiedslieder, während sie den Kranz mit der Haube vertauschen und dem Bräutigam Band und Rose vom Hute nehmen. Diese Lieder sind noch am besten erhalten, obgleich auch nur in Bruchstücken. Das junge Volk versammelt sich häufig zum Tanze, doch müssen Pfarrer und Richter die Zeit gutgeheißen haben. Regelmäßige Tanztage sind außer dem Fasching die Tage St. Michael, Wendelin, Martin und Katharina. Überdieß wird auch an den erlaubten Sonntagen, ja selbst an Wochentagen getanzt, doch nur zwischen Morgen und Abend, niemals bei Nacht. Von den Bitttagen bis zu Maria Heimsuchung gibt es keinen Tanz. Statt der Zigeunermusik spielt eine Bande von Bläsern auf, wie sie in den
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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