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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 374 -
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874 es aber auch anderseits nothwendig, daß er zu wirthschaften verstehe, daß er Wagen und Pferd halten könne, um die Märkte zu beziehen, und so wird er zugleich Kaufmann und Landwirth. Freilich zeigt bei alledem dieser und jener Zweig des Kleinhandwerks einen Rückgang, insbesondere seit 1870. Aber nichtsdestoweniger hat der Judustrievereiu der Schuster noch immer 350 Mitglieder (ohne die eigentlichen Schuhmacher, das heißt Verfertiger von Schuhen, die, etwa 60 an der Zahl, einen eigenen Jndnstrieverein bilden). Der Verein der Gerber hat etwa 100 Mitglieder. Gnbaschneider gab es vor zwanzig Jahren 250, jetzt kaum 100. Wenn man noch andere Gewerbszweige, die Kürschner, „ungarischen Schneider", Knndenschueider, Loden- und Seidenhntmacher, Knopfmacher u. s. w. hinzu- rechnet, findet man, daß der Gewerbestand noch jetzt, wie vor zweihundert Jahren, einen sehr bedeutenden Bestandtheil der Bevölkerung von Szatmär-Nemeti ausmacht. Der viereckige, wohlgepflasterte und mit stockhohen Häusern umgebene Hauptplatz, Deäkplatz genannt, ist einer der größten und schönsten Plätze des Landes. Er ist mit einer Allee von Kugelakazien umzogen und in seiner Mitte kreuzen sich zwei Alleen von jungen Roßkastanien. In der Mitte der Ostscite steht die zweithürmige römisch-katholische Kathedrale, während der schöne bischöfliche Palast und die Domherrenhäuser an den Ecken der auf den Platz mündenden Straßen stehen. Dieser Platz mit seinen Jahrmärkten und noch mehr mit den wöchentlichen Mitt- wochsmärkten bildet den Verkehrsmittelpunkt eines großen Gebietes, welches die Comitate Szatmär und Ugocsa umfaßt. Hier stapelt die ackerbautreibende Bevölkerung eines weiten Landstriches ihre Produkte auf, der Magyar seinen Weizen nnd anderes Getreide, der Walache besonders seinen Mais, und hier kaufen die Landleute auch ihre geringen Lebens- bedürfnisse ein. Auf und neben den vielen Wagen, welche reihenweise auf dem Marktplatz und in dessen Nebengassen halten, sieht man das Volk des ganzen Szamoslanfes, des Erdöhät, Ugocsas und des Avaslandes, die Leute von Erdöd, Szinyer-Väralja und Nagy- Bänya; in Dolmany und verschnürter „Huszarka", in „Lajbi" (Westenleibchen) und „Puszli" (auch Pruszli — Leibchen), in kurzem Hemde mit breitem Leibgurt, der dem Walacheu alle Dienste einer Reisetasche leistet, welche er überdies nicht einmal in der Hand zu tragen braucht, in hohen, schmalkrämpigen Hüten oder breiten, flachen Deckeln, in Czismen (Stiefeln) oder Boeskors (Bundschuhen) sieht man die Männer sich bewegen; im Faltenrock, mit eingebundenem Kopfe, in zierlich ausgenähten oder farbig gewebten Hemden und „Katrinezas" (Doppelschürzen) erscheinen die Weiber. Die magyarischen Männer, besonders die Bursche, sind hochgewachsen, flink, munter und hübsch, die walachischen sind kleiner, jedoch muskulös und erscheinen etwas schwerfällig und arg- wöhnisch. Die walachischen Mädchen aber, auch von Szirmay, dem Geschichtschreiber des Szatmärer Comitats, „ein rundlich geformter und besonders schöner Schlag Frauen"
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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