Seite - 376 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
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Einen ergänzenden Theil vom Szatmär-Nemeti bildet gleichsam der etwa zwei
Stunden von der Stadt gelegene „Szatmärer Berg", kurz der „Berg" (Hegy) genannt,
eine Weinbaneolonie in reizender Lage mit besonderer Ortsbehörde. Die 2.000 Einwohner
des „Hegy" dazngerechnet, beläuft sich die Bevölkernng von Szatmär-Neineti auf mehr als
21.000, wovon die Hälfte Resormirte, über 4.000 Katholiken, die übrigen zu fast gleichen
Theilen Rumänen nnd Juden.
Außer Nagy-Kärolh und Szatmär hat die soeben geschilderte Gegend keine andere
Stadt von größerer eentraler Bedeutung. Doch ist sie dicht mit Dörfern besetzt, nnter
denen man Orten von geschichtlicher Bedeutung und blühenden Marktflecken begegnet,
Eesed bietet durch die Vergangenheit seiner Beste ein lebhaftes geschichtliches Interesse,
ist aber jetzt nur eine einfache Gemeinde. R ozsäly, einst der Stammhorst des Geschlechts
Knn von Rozsäly, ist ein noch nnbedentenderes Dorf, doch besteht sein altes Kastell,
wiewohl verödet, noch jetzt. Der Flecken Erd öd ist nicht nur durch die Erinnerung an
die Drägsys und den hier geborenen berühmten Erzbischos von Gran, Thomas Bakacs,
bemerkenswerth, sondern auch durch das jetzt uur noch als Ruine vorhandene Schloß,
welches Graf Alexander Kärolyi 1730 an der Stelle der alten Burg erbauen ließ. Diese
Trümmer bestrahlt der Glanz der Vergangenheit, in neuerer Zeit aber auch die Liebes-
flamme des größte» ungarischen Lyrikers; in Erdöd wohnte ja die Braut Alexander
Petöfis und hier geuoß der Dichter Tage der beglückenden Liebe, in dieser Gegend,
zu Koltö uahe bei Nagy-Bäuya, verlebte er die ersten Wochen seiner Ehe. Auch die Burg
von Arauyos-Medgyes ist vom Geiste der Romantik umspielt. Ihre Glanzzeit begann
unter Jakob von Kaplyon nnd steigerte sich nnter den Bäthorys, den Lönyays, besonders
der Fürstin Anna Lönyay, der Gattin Johann Kemenys; 1670 aber wurde sie auf
königlichen Befehl gebrochen und besteht seitdem nur als halb bewohntes Schloß. Bnrg
Ryaläb jenseits der Theiß in Ugoesa, auf hohem Hügel aus der Ebene aufragend, kündet
den alteu Ruhm der Pereuyis und „beweint ihren Ruin" (nach dem Volksbuche „Kistükör",
das ist: kleiner Spiegel). Anch Burg Szinyer wird geschichtlich erwähnt, ist aber spurlos
verschwunden; dagegen liegt jetzt an jener Stätte ein blühender Flecken ausgebreitet,
Szinyer-Baralja, der bemerkenswertheste Ort zwischen Szatmär und Nagy-Bäuya.
Erwähnen wir noch als volkreichere und wohlhabendere Marktflecken, gegen die
Nyir hin Nyir-Medgyes und Mätöszalka, wohin jetzt eine Eisenbahn führt, auf dem
Szamosrücken das tabakreiche Fejer-Gyarmat uud Eseuger, das durch Matten-
industrie bekannte Tynkod, im Ugoesaer Comitat den blühenden Handelsplatz Tisza-
Ujlak nnd Halmi, so haben wir in großen Zügen den nordöstlichen Theil des großen
ungarischen Alföld geschildert, der von der Nyir und dem Ermellek angefangen den linken
Ufer der Theiß uud beide Ufer der Szamos entlaug zieht und gegen Ost und Süd von
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (2), Band 9
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (2)
- Band
- 9
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.56 x 21.98 cm
- Seiten
- 682
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch