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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 384 -
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384 an deren Busen sie eilt. Die Körös durchschneidet die Stadt, wie die Donau Budapest, und trägt wohl keine Dampfschiffe, doch Flöße auf ihrem Rücken; ehedem wurde sie auch vou Fischerbarken befahren, welche die schmackhaftesten Fische der Theiß nach Groß- Wardein brachten. Auch die Körös selbst hat ein Nebenflüßchen, und zwar mit warmem Wasser, nämlich den Peeze (mit altungarischem Namen llövj«) das heißt warmes Wasser), der ehemals innerhalb der Stadt mündete, jetzt aber nnterhalb derselben verläuft. Dieser warme Bach war ehemals nicht nur wegen seiner Heilkraft, sondern auch als Schutzwehr wichtig. Die Halbinsel nämlich, welche der Zusammenfluß der Körös und des Pecze gebildet hat und in deren Umkreis der letztere auch im Winter das Wasser nicht gefrieren ließ, war gleichsam eine natürliche Beste, welche dem Verfolgten oft genug Zuflucht bot. Im Gebiet uud in der Nähe von Groß-Wardein finden sich häufig schou die Spure» des Urmenschen: Geräthe, Waffen und Gefäße ans Thon, Knochen, Stein und Bronze. Doch fehlte es dem Orte, wo die Thäler uud Flüsse sich treffen, wo die Berge sich in die Ebene verlieren und die Factoren für den Lebensunterhalt, ja für Bequemlichkeit und Schutz des Menschen so reichlich vorhanden sind, auch nicht an den Bedingungen für eine weitere Entwicklung. Die nordwestliche Liuie des römischen »limes vacieus' zog sich bis gegen Groß- Wardein hin, und hier, vermuthlich auf der Halbinsel zwischen Körös und Pecze, mag ein dem benachbarten Nescnlum (heute Sebesvaralja) ähnliches Castrum gestanden haben. Dafür sprechen die Richtung der natürlichen Grenzen nnd zwei römische Jnschriftsteine, die in den warmen Bädern von Groß-Wardein gefunden wurden. Der vom Alföld gegen Groß-Wardein hinziehende, sogenannte Teufelsgraben, sowie die bei der Gemeinde Bihar vorhandene Wallburg sind schon Werke der Völkerwanderungs- zeit, durch die Avareu oder vielleicht durch die magyarischen Eroberer des Landes errichtet. Sicher ist, daß die Magyaren hier, ebenso wie bei Altofen, nur mehr Ruinen, die Stätte einer Festung vorfanden. Dafür spricht schon der Name „Värad", der das Terrain einer Festung bezeichnet; mit diesem Namen wurden alle jene Stätten bezeichnet, ans denen einst Festungen standeu. Unsere geschichtlichen Quelle» lassen selbst noch zur Zeit Ladislaus des Heiligen die Stätte Groß-Wardeins als Einöde erscheinen, wo der heilige König jagt und auf der Jagd den Entschluß faßt, daselbst eine Stadt zu gründen. Das Christenthum hatte zur Zeit Ladislaus des Heiligen im Osten Ungarns, also auch in der Gegend von Groß-Wardein noch nicht völlig Wnrzel gefaßt. Ladislaus erbaute also auf der erwähuteu Halbiusel zwischen Körös uud Pecze, auf dem Bodeu der jetzige» Festung, ein Münster, das er zum Bischofssitz machte. Zum Schutze des Münsters beorderte er Bewaffnete, zu seinem Dienste Dienstmannen und Handwerker. Ans diesen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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