Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Kronprinzenwerk
deutsch
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 388 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 388 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9

Bild der Seite - 388 -

Bild der Seite - 388 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9

Text der Seite - 388 -

388 Nikolaus Oläh, wie er erwähnt, sein Griechisch gelernt hat. Diese Schule war mit einem Convict verbunden, das auf reichen Stiftungen beruhte. Die Nonnen, meist Töchter vor- nehmer Familien, beschäftigten sich mit der Töchtererziehung; sie lehrten unter Anderem die sogenannte „Nonnenstickerei" mit Silber-, Gold- und bunten Seidenfäden, einer Techuik, deren veredelnden Einfluß wir an den Handarbeiten der Mädchen aus dem Volke, den sogenannten „Varrottas" (ausgenähten Arbeiten) noch jetzt wahrnehmen. Die Mönche trieben Feld- und Weinbau, dabei aber auch Malerei, Bildhauerei, ja selbst Handwerke. Alle aber bemühten sich gleichmäßig nm die Hebung der vaterländischen Gelehrsamkeit, als Chronisten, als Copisten und Illuminatoren der alten Klassiker und Kirchenväter. Vom Reichthum der Bibliothek zu Värad ist schon in der Mitte des XV. Jahrhunderts die Rede. Einzelne sehr schöne Codices dieser Sammlnng sind noch jetzt verstreut in den Bibliotheken von Budapest, Gran, Wien, Salzburg, Göttweig, Krakau u. s. w. zu sehen. In einem solchen Kreise der geistigen und handwerklichen Thätigkeit hatten die Bürger von Värad Gelegenheit, ihre Fähigkeiten auszubilden nud geltend zu machen. Die Kathedralkirche selbst bot jedem Künstler und Gewerbsmann Beschäftigung, vom Maler und Bildhauer augefangen bis hinab znm einfachen Maurer. Künstler aus Värad, Bild- hauer, Goldschmiede, Glockengießer sind auch schon im Mittelalter nicht selten, und ebenso finden sich auf den Blättern der Matrikeln ausländischer Universitäten nud unter den Trägern der höheren Ämter und Würden häufig Mäuuer, die aus Värad stammen. Auch die Bürger interessirteu sich für die literarische Thätigkeit der Geistlichen, einige nahmen sogar selbst Theil daran. Während die Bischöfe sich mit der Herausgabe der Chroniken des Rogerins oder Thnröczi und des Negestrum von Värad befaßte« und Propst Stesau Jlosvai die Gesetze des Landes sammelte, ließ Ladislaus Egerväri, Obergespan von Bihar, alte Codices copiren und Blasins Veres, Richter von Värad, übersetzte das berühmte Tripartitnm Verböczis ins Ungarische. Nach den Naturschönheiten der Gegend und ihren erfrischenden, heilkräftigen Quellen brauchte die Stadt nur die Hand auszustrecken. In der Umgebung erhoben sich zahlreiche Landhäuser, die Kastelle und Burgen der Telegdis, Päzmäus, Toldis, Csäkys, deren Größe und Schönheit auch der Italiener Gromo im XVI. Jahrhundert hervorhebt. An Bädern fehlte es auch in der Stadt nicht, das berühmteste Bad aber war das des heiligen Ladislaus, gleichfalls in der Nähe der Stadt gelegen. Für die Kranken- und Armenpflege, sowie für die ehrbare Bestattung der Todten sorgten die sogeuauuteu Kalandos-Genosseuschaften und auch die Zünfte, doch bestanden für diese Zwecke in Värad auch besondere Anstalten. Solche waren außer dem Alnmueum der armen Schüler das „Anssätzigenhans" und der „Blindengrund," deren Bestimmung
zurück zum  Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild