Seite - 389 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Bild der Seite - 389 -
Text der Seite - 389 -
389
schon aus ihrem Namen hervorgeht; ferner das Hospital, das den greisen oder verarmten
Bürgern der Stadt Zuflucht bot, endlich jene Heilanstalt, welche als St. Ladislans-Bad
sowohl für die wohlhabende als mittellose Classe bestand.
Doch hat es Groß Wardein auch au bösen, ja verhänguißvolleu Tagen nicht gefehlt.
Das Värader Bisthum hatte vou seinem Begründer auch die Liebe zum Vaterlaud
geerbt und die heilige Pflicht es zu vertheidigen. Die Värader Bischöfe waren zugleich
Bannerherren und Erb-Obergespäue des Biharer Comitats. Sie besoldeten Truppen nnd
befehligten sie iu der Schlacht.
Varad war schou zu Anfang des XIII. Jahrhunderts eine starke Festung, der
Schntzwall Oberungarns, das Thor Siebenbürgens, au dem sich oftmals die Macht
des Feindes brach; die Stadt freilich ging dabei fast immer in Flammen auf. Im
Jahre 1881 entdeckte man zufällig unter der Erde die Grundmauern der alteu Domkirche
der Festung und in nächster Nähe der Mauern fand sich eine ganze Schichte gebrannter
Erde mit menschlichen.Knochen gemischt. Diese Erscheinung finden wir erklärt im „Klage-
lied" (sirulmus enek) des Bärader Domherrn Rogerius, das uns berichtet, wie die
Tataren 1241 Bärad eingenommen und die Domkirche sammt den Fraueu uud Kiuderu,
die iu ihr Schutz gesucht, verbranut haben. Mehr Glück hatte Bärad im Jahre 1474, als
die Türken mit blutigen Köpseu von seinen Wällen abzogen, und anch 1514, als die
ansständischen Bauern Georg Dozsas wenigstens der Festung nichts anzuhabeu vermochteu.
Das staatsmännische Genie Frater Georgs (Martiuuzzi), Bischofs von Bärad und
Ministers des Königs Johann, verlieh der Stadt eine europäische Wichtigkeit. Dort hielt
der König Hof, dorthin gingen die Gesandten des Auslandes, dort wurde der Värader
(Groß-Wardeiuer) Friede geschlossen, der den Thron des letzten nationalen Ungarkönigs
sicherte.
Nach der Lostrennung Siebenbürgens wurde Värad, als Grenzfestung, der Eris-
apsel zwischen drei Nachbarmächten, die sich drei Jahrhunderte lang nm seinen Besitz
stritten. In der kurzen Frist eiues halbeu Jahrhunderts hielt es drei schwere Belagerungen
aus (1557, 1598 und 1604), wobei seine Kirchen und öffentlichen Gebäude verheert und
seine wissenschaftlichen und künstlerischen Schätze zerstreut wurden, so daß sie jetzt überall
eher zu finden sind als an ihrer ursprünglichen Stelle. Die Gründung Ladislaus des
Heiligeu, das Värader Bisthum, war selbst nicht mehr vorhanden.
Die Partei der Königin Jsabella, als Erbin des nationalen Königthums, verband
sich mit der Reformation gegen König Ferdinand. Ein Reichstagsbeschluß hob das Bisthum
auf und confiscirte die bischöflichen Güter zu Gunsten der Staatskasse. Groß-Wardeiu
war bestrebt, sich diese neue Weuduug zu Nutze zu mache», denn es sah die Gelegenheit
gekommen, wo es Freistadt werden konnte. Es bat also die Königin um die Erlaubniß,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (2), Band 9
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (2)
- Band
- 9
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.56 x 21.98 cm
- Seiten
- 682
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch