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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 391 -
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391 und verlassen, als Fürst Gabriel Bethlen (1618) den Ausbau der Festung anordnete. Wie der gleichzeitige Chronist Szalärdi erwähnt, wurde die baufällige Kathedrale bis auf den Grund abgebrochen und die Steine zum Festungsbau verwendet. Zugleich mit der Domkirche ging auch das Grab Ladislaus des Heiligen zu Grunde. Nur die ehernen Statuen der heiligen Könige standen noch aufrecht im Burghof. Das Jahr 1660 brachte eine furchtbare Katastrophe über die Stadt. Nach der unglücklichen Schlacht bei Szäsz-Feues wurde zunächst der tödtlich verwundete Fürst Georg Räköczy II. «ach Värad geschafft, wo er auch starb, und bald darauf traf das siegestrunkene Türkenheer ein, um Värad zu belagern. Lange und heldenmüthig wurde es vertheidigt, auch von den Studenten, deren Blüte im Kampfe fiel, aber Alles war vergebens; zuletzt sah sich die arg zusammengeschmolzene und ansgehuugerte Besatzung gezwungen, auf freien Abzug die Beste zu übergeben. Die Einwohner flüchteten sich meist uach Siebenbürgen, wo sie ein — wie sie glaubten, zeitweiliges — Asyl fanden; aber sie haben das Erbe ihrer Väter nie wiedergesehen. Auch einer der Lehrer des Bärader Gymnasiums, der (1661) ein Büchlein „Über den Sturz der Schutzsäule des Christenthums", nämlich Groß Wardeins, veröffentlichte, nennt sich auf dem Titelblatt: „Johann Püspöki, ein von Värad in die Fremde gezogener Lehrer". Die Bestürzung über den Fall Groß-Wardeins war allgemein, sie wurde unter Anderem gekennzeichnet durch die Worte des gleichzeitigen Grafen Nikolaus Bethlen: „Damals gelobte ich . . . mein Haar nicht mehr scheeren zu lassen, bis daß nicht Gott der Herr Värad an Siebenbürgen zurückgegeben hätte." Damals wurde zum großen Schaden der ungarischen Geschichte und vieler Familien des Landes auch das reiche Archiv des Domkapitels vernichtet, und zugleich verschwanden die letzten Kunstdenkmäler des alten Värad, die Standbilder der Könige, aus denen türkische Kanonen gegossen wurden. Als endlich Värad nach dreißigjähriger Knechtschaft im Jahre 1692 von den Türken befreit wurde, da waren Stadt und Festung ein Trümmerhaufen. Värad mußte neu gegründet werden und diese Aufgabe fiel uuu abermals dem Värader Bisthum zu, das nach dem Abzug der Türken aus anderthalbhundertjähriger Verbannung wieder zurückkehrte. Seinen alten Sitz in der Festung konnte es jedoch nicht mehr einnehmen, sondern sah sich in die Vorstadt Olaszi hinausgedrängt. Hier erbaute es jenes Kirchlein, das damals die einzige Kirche der Stadt und Domkirche des Värader Bisthums war! In Museen kommt noch hier und da eine kleine Kupfermünze vor, auf deren einer Seite zu lese» ist: „In (zuweilen ?rc») Nscessitate Varnckiensi." Ihre Entstehung fällt in die Zeit, als Franz Räköczy die Festung Värad belagern ließ (1703 bis 1710); damals litt die Besatzung auch an empfindlicher Geldnoth und da ließ der kaiserliche Commandant Stefan Becker alles Kupfer und Metallgeräth einziehen und daraus diese Müuzeu prägen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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