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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (2), Band 9
Seite - 392 -
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392 Während der siebenjährigen Belagerung gingen auch die wenigen Gebäude zu Grunde, die nach der Vertreibung der Türken entstanden waren. Es galt die Arbeit des Wiederaufbaues von Varad ganz neu zu beginnen. Die Hanptschwierigkeit war dabei die fast vollständige Entvölkerung sowohl der Stadt, als auch ihrer Umgebung. „Außer der Gegend von Belenyes", schreibt dem Bischof Grafen Emerich Csäky sein Hofrichter, „besitzen Ew. Excellenz uicht mehr als 5 bis 6 Dörfer, in denen Menschen wohnen". Einen peinlichen Eindruck macht die Eonscription der Värader Gegend aus jener Zeit; nach den Namen der Gemeinden liest man fast überall die Bemerkung: „Verbrannt, verlassen". Selbst noch im Jahre 1720 weist die Stadt nicht mehr als 216 Bürger auf uud der gefammte Jahresertrag der Märkte, Wirthshäuser und Fleischbänke beträgt 200 Gulden. Besser gedieh die Neugestaltung der Stadt unter dem Bischof Grafen Paul Forgäch, der den Grund zu den« jetzigen Dom und bischöflichen Palast, sowie zu der sogenannten „Kapitelzeile" (Läptalansor) legte (1752), und zwar ebenso kühn als genial, außerhalb der Stadt auf stattlicher, geräumiger Höhe. Ihm schlössen sich zum edlen Werke die Mitglieder des Kapitels an und brachten der Zukunft der Stadt bedeutende Opfer. Georg Gyöngyösy, aus der Familie Stefans des Dichters, stiftete ein Krankenhaus unter Leitung der Barmherzigen; Stefau Szeuezy baute den Ursulinerinueu ein Kloster und eröffnete darin eine Mädchenschule; Josef Salamou von Csik-Rakos errichtete ein Waisenhaus, Johann Alapy ein Eonvict. Auch von den Mönchsorden begannen die Prämonstratenser, Panliner, Franciseaner, Jesuiten, Kapuziner den Bau ueuer Klöster, Kirchen und Schulen, aber nicht an den Stätten der früheren, von denen meistens nicht die geringste Spur vor- handen geblieben war. Nach und nach begann das Leben in die Adern der ausgestorbenen Stadt zurückzukehren. Die ehemals weitberühmten Värader Jahrmärkte, deren jeder zwei Wochen dauerte und die Kaufleute von Kronstadt mit den Besitzern der Gömörer Eisen- hämmer und den Modewaarenhändlern von Pest und Preßburg zusammenführte, lebten wieder auf. Auch das Eomitatslebeu kam wieder in Gang. Die Eomitatsversammlungen, welche vor der Türkenherrschaft bald an diesem, bald an jenem Orte, und meist uuter freiem Himmel, auf den Besitzungen der Ober- und Vieegespäne abgehalten wnrden, fanden jetzt zu Värad statt. Alles dies zog auch die Familien der Comitatswürdenträger und der ringsum ansässigen edlen Herren nach Varad, wo sie die Annehmlichkeiten des Stadt- lebens verkosteten und nun anfangs wenigstens den Winter in Groß-Wardein verbrachten, später aber sich ständig dort niederließen. Noch jetzt erkennt man sofort die in französischem Geschmack errichteten, mit Doppeldächern gekrönten Herrenhäuser, welche sie sich damals, namentlich in Olaszi, bauen ließen. Neue Gassen und Stadttheile entstanden, neue Schulen und Anstalten wurden errichtet. Auch das griechisch-katholische Bisthuin wurde (1777) gestiftet uud erhielt seinen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (2), Band 9
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (2)
Band
9
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1891
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.56 x 21.98 cm
Seiten
682
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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