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große Verschiedenheit der Bodengestaltnng und der landwirthschaftlichen Verhältnisse auf.
Vou der Region des ewigen Schuees, vom Triglav, dein Gipfelpunkt der Julischeu Alpeu
im Norden, bis tief hiuab zum Küstensaum der Adria wechselt die Bodeugestaltuug uud
das Klima, so daß die Vegetation alle Zwischenstufen von der alpine» Pflanzenwelt bis
zu jener des Ölbaums und der immergrünen Gewächse der Mittelmeerzone durchläuft.
Das Alpeugebiet von Görz gehört dem Gebirgsstock der Julischen Alpen an und
besteht durchwegs aus Dolomitgestein. Die stark zerklüfteten, über 2.000 Meter hohen
Bergkämme mit jäher Abdachung find kahl, zum Theil mit Geröll bedeckt, welches oft bis
in die Thalsohle herunter reicht nnd dieselbe überlagert. Dieser Umstand sowie die
nnbesvnnene Entwaldung, die Abwaschung des Erdreichs, die zeitweiligen Lawinenstürze,
die abschüssigen Berghänge, alles zusammengenommen verleiht diesem Gebiete nicht nur
eine» hochalpinen Charakter, sondern drückt ihm iu laudwirthschastlicher Hinsicht zugleich
den Stempel der Unfruchtbarkeit und Armuth auf. Nur das Flitscher Beckeu breitet
sich zu einer verhältnißmäßig weiten Fläche aus und läßt trotz des vorherrschenden
Schotterbodens eine einigermaßen einträgliche Bewirthschaftung zu. Der Ackerbau
beschränkt sich hauptsächlich auf den Anban von Kartoffeln, etwas Mais und Haiden
und wird nur in der nächsten Nähe der Ortschaften und der am Fuße des Gebirges
zerstreut liegeudeu Weiler betrieben. Der dünnen Bevölkerung gewährt die Viehzucht bei
der Magerkeit der Weiden einen nothdürftigen Unterhalt. Rindvieh ist mit Rücksicht auf
die Rauheit des Klimas nnd die Steilheit des Berglandes nur spärlich vertreten. Um
so zahlreicher ist das Kleinvieh, namentlich Schafe, deren Zucht den wichtigsten Erwerbs-
zweig des mit einem so undankbaren Bodeu ringenden Bergbewohners bildet. Überdies
machen einige tausend Ziegen einander und den Gemsen das spärliche Gras auf den
Felsabstürzen streitig.
Unter solchen Verhältnissen ist es begreiflich, daß die Mehrzahl der Görzer Alpen-
bevölkeruug, so arbeitsam, genügsam und der heimatlichen Scholle zugethan sie ist, in der
Heimat selbst nur während weniger Monate des Jahres ausreichende Nahrnng findet.
Sobald der Winter anbricht, sucht ein beträchtlicher Theil derselben anderwärts Arbeit
nnd Beschäftigung. In der guten Jahreszeit kehrt fast Alles wieder heim, den kleinen Acker-
grund zu bestellen, die Schaf- und Ziegenherden zu weiden, das spärliche Heu auf deu
Berglehnen zu mäheu und zu Thale zu bringen.
An das Alpengebiet reiht sich jenes der Vora lpen an. Eigentliche Thäler gibt es
hier, die Erweiterung des Jsonzobeckens von Karfreit bis Tolmein abgerechnet, nicht. Eine
Eigenthümlichkeit dieses Gebietes bildeu die jedes Wasserlaufes entbehrenden und durch
den steinigen Boden lebhaft an den Karst erinnernden Hochplateaus. Das ausgedehuteste
ist jeues des durchschnittlich 1.000 Meter hohen Tarnovaner Waldes. Das Klima ist milder
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Band 10
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Das Küstenland
- Band
- 10
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.63 x 22.44 cm
- Seiten
- 390
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch