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Der Karst, einst bewaldet, ist wegen seiner steinigen, vegetationslosen Oberfläche
bekannt. Seit Jahrhunderten haben die ausgedehnten Gemeindeweiden nnd die Ziegen-
wirthschaft den Waldbestand verwüstet. Seit einigen Jahrzehnten bemühen sich Regierung,
Gemeinden und Private mit gutem Erfolg um die Wiederbewaldung des Karstes. Die
umfangreichen Gemeindeweiden wurden an die einzelnen Grundbesitzer vertheilt, welche
ihren Autheil einhege» und schonen, so daß die früher beständig vom Vieh angenagten
Stocktriebe nunmehr sprießen können. Es wurden au die Gemeinden bisher 13 Millionen
und an einzelne Besitzer 5 Millionen Baumpflanzen unentgeltlich verabfolgt, auch wurden
die Gemeinden zur Pflege der neuen Anpflanzungen verhalten. Zur Leitung dieser Cnltureu
wurde eine eigene Karstaufforstungs-Commission eingesetzt, so daß gegenwärtig der Görzer
Karst zum nicht geringen Theile bereits ein verändertes Aussehen gewonnen hat und in der
Zukunft daselbst neue Waldbestände zu erwarten sind. Von Waldbänmen ist die Fichte im
Hoch- und im Mittelgebirge vorherrschend; die Höhen des Ternovaner Waldes sind von
hochstämmigen, an den Urwald erinnernden Buchen, Fichten und Taimen gekrönt. Anf dem
Hügellande nächst Görz, Coglio genannt, im Panowitzer Wald und im Wippacher Thal
trifft man Bestände der Stieleiche an; im südlichen Landestheil sind Edelkastanien nud
Wallnußbäume, sowie Ulmeu häufig. Schwarzföhreu siud diejenige Holzart, mit welcher
die Karstaufforstung die größten Erfolge erzielt.
Abwechslungsreich, jedoch im Ganzen wenig ergiebig erweist sich die Jagd. Gemsen
in nicht beträchtlicher Zahl, Alpenhasen uud Schneehühner bewohnen das Hochgebirge,
Rehwild die waldigeren Theile des Mittelgebirges und des Karstes. Feldhase nud Rebhuhn,
im Mittelgebirge Aner- und Haselhühner erregen weniger das Interesse des Waidmauus
als das schwer zu erlegende, prächtig gefärbte Steinhnhn, welches die schroffsten, steinigsten
Hänge des Karstes bewohnt, und die rasche Höhlentaube, welche iu deu uuzugäuglichsteu
Schlüuden des Karstes nistet. Bär und Wolf erscheinen als sehr seltene Gäste aus den
krainischen und kroatischen Waldungen.
Die Lagunen und Brackwassersümpse des Unterlandes gestatten eine ergiebige
Jagd auf Wasservögel. Es werden daselbst große Mengen von Wildenten und Rohr-
hühueru mittelst der Eutensliute (Lekioppettone) erlegt. In der Mitte eiues kleine»
Flachbootes ruht auf einer fixen Gabel ein ungefähr zwei Meter langes, an der Müuduug
etwas erweitertes Gewehrrohr mit starker Ladung. Der Schütze, welcher beim Zielen
hinter dem Rohre platt am Boden liegt, schießt in die schwimmettdeu Vögel uud
erlegt mit einem glücklichen Schuß deren vierzig bis fünfzig, selbst mehr. Außerdem ist
auch der Ansitz in halbabgeschnittenen, im Sumpfe eingerammten Fässern gebräuchlich,
wobei manchmal Wildgänse, wilde Schwäne, Pelikane nnd andere Fremdlinge der Vogelwelt
erbeutet werden.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Band 10
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Das Küstenland
- Band
- 10
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.63 x 22.44 cm
- Seiten
- 390
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch