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gelangte. Honig und Wachs kamen aus dem Innern, namentlich aus Polen, und Roh-
zucker, Kaffee, Farbwaaren, Indigo, Mandeln :e. bildeten von Frankreich bezogen wichtige
Tauschartikel für Holz, Glas, Leinwand, Tabak, Seide, Wolle, Kupfer, Eisen, welche nach
Frankreich gingen. Diese Verbindungen und Beziehungen machten aus Trieft um die zweite
Hälfte des vorigen Jahrhunderts einen Handelsplatz ersten Ranges und den Vermittler
des dentsch-levantinischen Verkehrs, in welchem Salonichi als Stapelplatz auftauchte.
Man darf uicht außer Acht lassen, daß in der Theresianischen Zeit und auch nachher
bis kurz vor Abschluß des vorigen Jahrhunderts die Ausdehnung der österreichischen Küste
noch eine sehr beschränkte war und eigentlich nur das Triester Gebiet, das Gelände von
Görz und den östlichen Saum Jstrieus am Quaruero umfaßte. Der Rest von Jstrien und
fast ganz Dalmatien gehorchten noch der Signoria von San Marco. Die Erweiterung des
Küstenbesitzes erfolgte endlich, als durch den Frieden von Campoformio Venedig (1797)
seine Unabhängigkeit verlor und mit der Lagunenstadt auch ihre Besitzungen an der
adriatischen Ostküste der österreichischen Monarchie zufielen. Diese erhielt nun eine
geschlossene, lauggestreckte, an maritimen Traditionen reiche Küste. Nicht darum handelte
es sich nunmehr, erst Neues zu schaffen und die Bevölkerung für bisher unbekannte Auf-
gaben zu erziehen, sondern nur darum, die vorhandenen Elemente zu einem großen Ganzen
zu verbinden und innerhalb desselben dem allgemeinen Interesse dienstbar zu macheu. Um
das Jahr 1797 konnte Trieft einen jährlichen Verkehr von circa 15 Millionen Gulden
nachweisen, der 7.000 Schiffe in der Ein- und ebensoviele in der Ausfuhr beschäftigte
uud welchen nach der Landseite über 2.000 große Fuhrwagen und über 4.500 kleine
Landwagen besorgten. Trieft zählte damals 30.000 Einwohner und einen Fremdenzufluß
von 10.000 Personen im Jahre.
Nun kamen aber über Trieft auch bittere Tage, die in der französischen Revolution
und den mit derselben verbundenen Ereignissen, dann im französisch-englischen Kriege ihren
Ursprung hatten. Die allgemeine Stockung des Handels zur See brachte dem Triester
Verkehr großen Schaden und Gewinnstentgaug, wozu sich noch die wiederholten Invasionen
französischer Heeresabtheilungen gesellten, mit welchen immer die Auflage von großen
Eontributiouen verbunden war. Diese schweren Opfer und die Flucht der reichsten Kauf-
leute aus Trieft, sowie die Eonfisciruug der Triester Waareu im Auslande konnten nicht
dadurch wettgemacht werden, daß in Folge der eontinentalen Hafensperre sich ein lebhafterer
Verkehr zu Lande, und zwar ein Austausch von oft- und westindischen Prodncten mit
Hamburg und Breslau, wohin wieder Trieft italienische und levantinische Waaren sendete,
sich entwickelte.
Besonders verhängnißvoll für Trieft war die Zeit der französischen Zwischen-
herrschaft (1809 bis 1813). Alle euglischeu Eolouialwaareu wurden seqnestrirt und
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Band 10
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Das Küstenland
- Band
- 10
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.63 x 22.44 cm
- Seiten
- 390
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch