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wie der Stockfisch und der Häring, Ob es möglich ist, jemals durch künstliche Verpflanzung
dieser oder ähnlicher massenhaft zusammenlebender Fischarten die Mittelmeerfischerei zu
heben, ist sehr fraglich. Die vielen vergebliche» Versuche, fremde Fischarten zn acclimati-
sireu, scheinen zu zeigen, daß man nicht zuviel Hoffnung darauf setzeu darf.
Was die einzelnen Fischarten betrifft, so muß zunächst hervorgehoben werden, daß
das adriatische Meer, als Theil des Mittelmeers, dieselbe Zusammeusetzuug seiner Thier-
bevölkerung zeigt, welche als nördliche Mittelmeerfauna bekannt ist. Wichtig für die
Fischerei siud besonders diejenigen Arten, welche gesellig auftreten, die sogenannten
Wander- oder Zugfische. Die Benennung Wanderfische rührt von der älteren irrigen Auf-
fassung her, daß dieselben aus weit entfernten Meerestheilen einwandern. Man könnte
dieselben indeß besser pelagische Fische nennen, da sie, wie andere pelagische Thiere,
Medusen, Salpen :c., nur zeitweise an den Küsten erscheinen und dann wieder in größere
Tiefen hiuabtaucheu. Die Adria beherbergt von diesen Wanderfischen sechs wichtigere
allgemein bekannte Arte»: die Sardelle, italienisch Luickella (Llupea sarckina), den
Anchovi, italienisch 8arckon enckrasicolus), den Thunfisch, italienisch 1'oil
oder 1'ormina, die Makrele, italienisch Leomkro (Leomder seomdvr) und zwei Arten
Palamiden.
Weitaus am ergiebigsten ist die Sardellenfischerei, welche auch die meiste»
Fischer beschäftigt. Die Sardellen, zur Familie der Clnpeiden gehörig, leben in der kälteren
Jahreszeit in den tieferen Seegründen und laichen dort im Oetober u»d November,
woselbst auch die Brüt aufwächst. Mit der wärmeren Jahreszeit, März oder April je nach
den Witterungsverhältnissen, erscheinen die Sardellenschwärme längs den Küsten und
Buchten Jstriens wie Dalmatiens. Im Anfang des Frühjahrs halten sie sich noch in den
tieferen Wasserschichten auf und steigen erst im Sommer, Juni und Juli, allmälig bis
an die Oberfläche hiuauf, um im Herbst ebenso allmälig, wie sie erschienen sind, wieder
in die Tiefe zu verschwinden. Höchst wahrscheinlich sind die Temperaturverhältnisse des
Wassers und das damit verbundene Vorkommen ihrer Nahrung, aus kleiueu Spaltsüßeru
(Lopepväen) bestehend, die Ursachen dieser Ortsveränderungen.
Der Fang der Sardelle geschieht mit Zug-, Stand- oder Hängenetzen. An der
istrischen Küste wird das Standnetz am meisten gebraucht, namentlich da, wo die Küsten
felsig sind. Die Standnetze, italienisch Luiäellern oder Älanaicke, sind Netzwände vvn circa
25 Meter Länge und 5 bis 7 Meter Höhe, deren Maschen circa 2 Centimeter weit siud.
Die untere Kante ist mit Bleistücken beschwert, während die obere Kante durch Korkstücke
im Wasser schwimmend erhalten wird. Solche Netzwände, italienisch „Speckoni«, können
in beliebiger Anzahl dnrch die Randleinen aneinander geknüpft werden, so daß zuweilen
das ganze Netz eine Länge von tausend Meter hat. Beim Gebrauch desselben rudern oder
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Band 10
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Das Küstenland
- Band
- 10
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.63 x 22.44 cm
- Seiten
- 390
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch