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östlichen Mittelmeerbeckens sich dort in die Tiefe begeben, und daß manche Thunfischzüge
des westlichen Theiles sich in die Tiefen des Oceans versenken.
Die Thunfischerei wird längs der Steilküsten Jstriens betrieben. Wir finden
daselbst an passenden Stellen die Beobachtungsstationen, in langen aufgerichteten Leitern
oder hohen Bäumen mit einem Holzgestell bestehend. Sie dienen den Fischern, um die
Ankunft eines Thuufischzuges zu erspähen. Zum Fang bedient man sich einer Art
Zug- oder Einschließnetzes, die tonnara" genannt. Die Methode des Fanges beruht
auf der Eigenheit der Thunfische, stets in einer gewissen Richtung längs der Küste
fortzuschwimmen. Sobald ein Zug erspäht worden ist, wird das Netz mittels Barken so
ansgestellt, daß es anfangs gegen die Küste rechtwinkelig geführt, dann im Winkel
umgebogen und endlich parallel zur Küste ins Meer gelegt wird. Auf diese Weise ist den
heranschwimmenden Fischen sowohl der weitere Weg längs der Küste als das Ausweichen
ins freie Meer durch die bis auf deu Grund reichenden starken Netzwände der Tonnara
verwehrt. Die Tonnara ist ein aus starken Stricken verfertigtes schweres Netz, das nur am
oberen Ende mit Korkschwimmern versehen ist. Die Höhe des Netzes ist jeweilig der Tiefe
des Meeres angepaßt und betrügt 20 bis 25 Meter, bisweilen auch mehr. Die Länge des
Netzes variirt von 200 bis 300 Meter. Ist der Thnnfifchschwarm in diese Art von Netz-
sackgasse gerathen, so wird die Tonnara zugezogen, worauf die Fische iu den engmaschigsten
Theil des Netzes eingeschlossen werden. Hier werden die Thunfische getödtet und ans Ufer
gezogen. Das ungestüme Umherschießen der vom Netz beengten Thunfische, die ihre blau-
schimmernden Körper hoch aus dem Wasser heben und mit den Flossen die See schlagen,
so daß der Schaum aufspritzt, ferner der Tnmnlt unter den Fischern, die von ihren Barken
aus die Beute zu bewältigen trachten, indem sie mit Beilen und Rudern auf dieselbe
losschlagen und die todten Fischleiber mit eisernen Haken ans Ufer ziehen, bieten dem
Zuschauer eine interessante, aufregende Scene. Die todten Thnne werden sofort aus-
geweidet und auf die nächsten Märkte gesandt. Bisweilen läßt man die Tonnaren an
verschiedenen günstigen Küstenstellen längere Zeit im Meere stehen, aber große feststehende
Thnnfischnetzeinrichtungen, wie sie iu Italien, namentlich in Sardinien gebräuchlich sind,
fehlen an unseren Küsten. Dem Thunfisch verwandt, aber kleiner ist die eigentliche Palamide,
italienisch ?olami6a (?elamvs saräa) und ein Bonitfisch, italienisch 3»ionkettc>
klookei). Dieselbe» werden mit ähnlichen Netzen gefangen, uur in weit geringerer Anzahl;
doch ist ihr Fleisch viel wohlschmeckender als dasjenige des Thunfisches.
Die größte Artenzahl der Fische der Adria lebt konstant das ganze Jahr hindurch
in den weniger tiefen Gewässern längs der Küsten nnd in den Buchten. Es sind dies die
sogenannten Standfische. Dieselben sind nie in so großen Mengen versammelt wie die
erwähnten Wanderfische, daher für die Fischerei erst in zweiter Linie wichtig. Zunächst
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Das Küstenland, Band 10
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Das Küstenland
- Band
- 10
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1891
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.63 x 22.44 cm
- Seiten
- 390
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch