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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 151 -
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151 schmettert sie gegen die Steinpfeiler der Brücken, an denen die Eistafeln dröhnend zerschellen, um dann in haushohen Geschieben längs der Ufer angespült zu werden. Der Quai wimmelt Tag und Nacht vou Publikum, das auf die Kanonenschüsse lauert. Drei Schüsse verkünden den Beginn der Gefahr. Beim sechsten Schuß ist sie bereits vor der Thüre! Beim zwölfte» heißt es au Rettung denken! Ein neuer Eisfchub briugt eiueu ganzen Stoß Bretter mit sich; die Flnt hat irgendwo eine Banholzniederlage mitgenommen. Es finden sich kühne Schiffer, die mit einem Kahn in das Eistreiben eindringen nnd die schwimmende Beute bergeu. Große Heiterkeit erregt dagegen ein Hasenpaar, das ans einer Eistafel gefangen erstaunt zusieht, wie die Häuser an ihm vorüberzieheil. Endlich kommt Jemand von der ständigen Überschwemmnngs-Commission mit der Frendenbotschast, daß die Eisbarre bei Dnna-Földvär sich in Bewegung gesetzt hat. Wenige Augenblicke, uud das rettende Wort ist von Mund zu Mund gegangen, woraus von zehntausend Lippen ein donnerndes Eljen erschallt. Man ruft der Donau eiu Eljen zu. Nur die Schanfelmänner stimmen in den Ruf uicht ein. Das Eis war ihre Ernte. (i)sfenlliche Gastmäler und Belustigungen. Das Publikum von Budapest ist berühmt wegen seiner Gastfreundlichkeit. Berühmt- heiten jeder Nation, welche die ungarische Hauptstadt besuchen, werden mit der znvor- kommeudsteu Herzlichkeit empfangen. Ausländische Schriftsteller nnd Künstler, Dichter uud Gelehrte, die alleu Nationen angehörigen Mitglieder von hygienischen, ornithologischen, statistischen und anderen wissenschaftlichen Kongressen n. s. f. finden die gleiche brüderliche Ausnahme; wo sie auch erscheinen, sie werden gefeiert; Bankette werden ihnen zn Ehren veranstaltet, wobei die Ungarn die Fremden in deren eigener Sprache leben lassen, bis der Fremde seinerseits znm Dauke seine Entgegnung in magyarischen Worten improvisirt. Überhaupt nimmt Budapest, was die Beranstaltnng von Festmälern betrifft, eine hervorragende Stelle ein. Kein bemerkenswerthes Ereignis;, keine freudige Nachricht, keiu Jubeltag eines Schriftstellers, Schauspielers, öffentlichen Beamten vergeht ohne Banket; kommt aber eine Katastrophe ins Land, etwa eine Überschwemmung oder Feuersbrunst, oder geschieht im Ausland ein großes Unglück, ein Erdbeben, ein Schiffsuntergang, so werden hinwiederum zur Unterstützung der Beschädigten hier Concerte, Tombolas, Damen- bazare ins Werk gesetzt, deren Ende gleichfalls ein Banket ist. Und der Werth desselben wird durch die Reihe der Triuksprüche bestimmt, in denen der Ungar ein wahrer Virtuose ist. Mancher, der sonst schweigsam ist, wird, weuu es sich um einen Trinkspruch handelt, zum Demvsthenes; vou den Lippen ernster Männer knisteru die Funken des Hnmors; das Ende des Toasts geht nuter iu deu sreudigeu Zurufen der Gäste.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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