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schmettert sie gegen die Steinpfeiler der Brücken, an denen die Eistafeln dröhnend
zerschellen, um dann in haushohen Geschieben längs der Ufer angespült zu werden. Der
Quai wimmelt Tag und Nacht vou Publikum, das auf die Kanonenschüsse lauert. Drei
Schüsse verkünden den Beginn der Gefahr. Beim sechsten Schuß ist sie bereits vor der
Thüre! Beim zwölfte» heißt es au Rettung denken! Ein neuer Eisfchub briugt eiueu
ganzen Stoß Bretter mit sich; die Flnt hat irgendwo eine Banholzniederlage mitgenommen.
Es finden sich kühne Schiffer, die mit einem Kahn in das Eistreiben eindringen nnd die
schwimmende Beute bergeu. Große Heiterkeit erregt dagegen ein Hasenpaar, das ans einer
Eistafel gefangen erstaunt zusieht, wie die Häuser an ihm vorüberzieheil. Endlich kommt
Jemand von der ständigen Überschwemmnngs-Commission mit der Frendenbotschast, daß
die Eisbarre bei Dnna-Földvär sich in Bewegung gesetzt hat. Wenige Augenblicke, uud
das rettende Wort ist von Mund zu Mund gegangen, woraus von zehntausend Lippen ein
donnerndes Eljen erschallt. Man ruft der Donau eiu Eljen zu. Nur die Schanfelmänner
stimmen in den Ruf uicht ein. Das Eis war ihre Ernte.
(i)sfenlliche Gastmäler und Belustigungen.
Das Publikum von Budapest ist berühmt wegen seiner Gastfreundlichkeit. Berühmt-
heiten jeder Nation, welche die ungarische Hauptstadt besuchen, werden mit der znvor-
kommeudsteu Herzlichkeit empfangen. Ausländische Schriftsteller nnd Künstler, Dichter uud
Gelehrte, die alleu Nationen angehörigen Mitglieder von hygienischen, ornithologischen,
statistischen und anderen wissenschaftlichen Kongressen n. s. f. finden die gleiche brüderliche
Ausnahme; wo sie auch erscheinen, sie werden gefeiert; Bankette werden ihnen zn Ehren
veranstaltet, wobei die Ungarn die Fremden in deren eigener Sprache leben lassen, bis
der Fremde seinerseits znm Dauke seine Entgegnung in magyarischen Worten improvisirt.
Überhaupt nimmt Budapest, was die Beranstaltnng von Festmälern betrifft, eine
hervorragende Stelle ein. Kein bemerkenswerthes Ereignis;, keine freudige Nachricht, keiu
Jubeltag eines Schriftstellers, Schauspielers, öffentlichen Beamten vergeht ohne Banket;
kommt aber eine Katastrophe ins Land, etwa eine Überschwemmung oder Feuersbrunst,
oder geschieht im Ausland ein großes Unglück, ein Erdbeben, ein Schiffsuntergang, so
werden hinwiederum zur Unterstützung der Beschädigten hier Concerte, Tombolas, Damen-
bazare ins Werk gesetzt, deren Ende gleichfalls ein Banket ist. Und der Werth desselben
wird durch die Reihe der Triuksprüche bestimmt, in denen der Ungar ein wahrer Virtuose
ist. Mancher, der sonst schweigsam ist, wird, weuu es sich um einen Trinkspruch handelt,
zum Demvsthenes; vou den Lippen ernster Männer knisteru die Funken des Hnmors;
das Ende des Toasts geht nuter iu deu sreudigeu Zurufen der Gäste.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Band 12
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (3)
- Band
- 12
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.49 x 21.91 cm
- Seiten
- 626
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch