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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 152 -
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1-'i2 Und, wenn wir schon die öffentlichen Gastmäler erwähnt haben, dürfen auch die ihnen verwandten Bälle nicht Übergängen werden. Anch die öffentlichen Bälle in Budapest sind zumeist mit irgend einem wohlthätigen Zwecke verbunden. Der besuchteste unter ihnen pflegt der Juristenball zu sein, dann folgen die Bälle der Mediziner, der Techniker, der Architekten. Der glänzendste aber ist der Athletenball. An diesem kann jedoch nnr ein mit besonderer Einladung beehrtes Pnbliknm theilnehmen. Ferner gibt es durch wohlthätige Vereine veranstaltete Calieo-Bälle (wo kein Mensch Calieo trägt) und Maskenbälle (wo kein Mensch maskirt ist). Da kann denn Jedermann erscheinen, der elegant gekleidet ist. Endlich gibt es Maskenbälle sür das große Pnbliknm, wo die Eleganz des Anznges nicht Bedingung ist und die Unterhaltung gauz zwanglos vor sich geht. Tiefe Bälle werde» sast sämmtlich in den Sälen der großen Redoute abgehalten. Die hohe Aristokratie aber pflegt in ihren eigenen Palästen oder den Sälen des Nativnalcafinos geschlossene Tanz- unterhaltuugeu zu veranstalten, welche blos den obersten Hundert der obersten Zehntausend der Gesellschaft zugänglich sind. Im Fafchiug häugt übrigens der gauze Himmel voll Geigen, nnd wer den Becher bis ans den Grund und dessen Hefe zu leeren liebt, kann im Zeitraum eiuer Stunde von dem Eliteball der Redoute nach den Tanzsalons der Porstädte fahren und so den ethnographischen Unterschied studiren, der sich iu den Sitten der nämlicheu Race zeigt, wenn sie sich unter zwei verschiedenen Meridianen entwickelt haben. Es gibt aber keine Unterhaltung, keinen Ball, kein Banket ohne Zigeuuermufik. Ein Primgeiger, zwei zweite, eine Baßgeige, ein Ktariuet und eiu Eymbalfpieler, damit ist die Bande vollständig. Trompete, Fagott, Flöte, Trommel, Triangel fehlen. Und diese Zigenuerbanden stehen nicht nur iu der Hauptstadt, fouderu auch in den Provinzstädten aus jener Höhe der iutelleetuelleu Ausbildung, wie sie Musiker zu habeu pflegen. Sie kennen die Noten, spiele« aber zumeist nach ihrem seiueu Gehör uud ohue Noten, so zwar, daß eine solche Zigeuuerbaude nach einmaligem Hören eine neue Melodie spielen wird. Sie habe» das gauze Repertoire im Kopse: Hunderte von nationalen Volksliedern, die „schweigenden Weisen", die altmagyarischen Melodien, dazn noch verschiedene Köuigs- hymucn, die österreichische, englische, rnssische, deutsche, den Räkvezymarsch und die Marseillaise, die älteste« und neuesten Walzer, ganze Opernabschnitte und spielen das Alles auf einen Wink des Primas sofort mit voller Evrreetheit. Ihr Gedächtniß, ihr musikalisches Gefühl find erstaunlich. Tritt ein wohlbekannter Protektor unversehens in die Zechgesellschaft oder das Gasthaus, so begrüßeu sie ihu sogleich mit „meinem Lied" (das heißt dem des Patrons). Der Primas selbst ist ein vorzüglicher Geigenvirtuose, der sich kühu mit so manchem berühmten Eoncertspieler messen könnte. Dabei ist er anch noch ein gutcr Kamerad. Er pokulirt geuau so wie der Hausherr, betriukt sich aber niemals.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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