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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 162 -
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162 sind. Bei jungen Staatsbürgern, die während der Wahlbewegung das Licht der Welt erblicken, muß natürlich der „Abgeordnetencandidat" Gevatter stehen. Die Jugend ehrt den Erkorenen ihrer Partei durch eine Fackelmusik; feurige Reden und die Klänge des Räköczymarsches beleben die Gasse. Ein neues Lied wird zu Ehren des Kandidaten componirt und von den Gesaugsvereiuen gesuugen. In der breitesten Straße wird zwischen den Dachböden zweier Häuser ein Strick gespannt und daran eine Riesensahue mit dem Namen des Kandidaten aufgehängt. Selbstverständlich geschieht auch von Seite des Gegenkandidaten das Nämliche. Eine wichtigere Arbeit ist die der „Kortesführer" der Partei, welche im Wege von Reklamationen soviel als möglich von der Armee des Gegners „abzufchuitzeln" trachten, während sie zugleich das angegriffene Recht ihrer Getreuen aufrecht erhalten. Endlich rückt der Wahltag heran. In früher Morgenstunde schon strömen die Wähler, Musik und Fahnen vorauf, zum Wahlplatze. Dort beauftragt jede Partei ihren Obmann und Obmannstellvertreter, an der Urne die Partei als Vertrauensmänner zu vertreten; sie sind es, die auf die Identität der Wähler achten, damit keiner zweimal stimme. Punkt 8 Uhr empfiehlt der Obmann der Partei den Eandidaten, durch die Unterschriften von noch zehn Wahlbürgern gestützt, worauf er um 8'/s Uhr die Abstimmung verlangt, was der Wahlpräsident feierlich verkündet. Anfangs werden die Abstimmenden in Gruppen von zwanzig Mann, Partei um Partei, eingelassen. Bis Mittag halten beide gleichen Schritt. Nachmittags erlahmt die eine. Jetzt schickt sie nur noch alle fünf Minuten einen Wähler hinein. Die Gegenpartei gewinnt die Oberhand. Aber darnm wird der Kampf nicht aufgegeben. In Kutschen und Omnibussen, auf Milchwagen sogar fährt man dahin und dorthin, die zerstreuten Genossen zu sammeln, und groß ist die Freude, wenn wieder ein Wagen mit einem eingefangenen Wähler zurückkehrt. Jetzt müssen aber auch die Anführer und Corporale aufpassen, daß die Getreuen nicht etwa durch die Gegenpartei weggefangen werden. Galopins sprengen mit den Bulletins in die Redactionen: so viel grüne, so viel rothe Federn! Die Straßen sind von Volkshaufen erfüllt. Endlich kommen die Omnibusse, die Milchwagen an. Großer Jubel der Gegenpartei: „Da sind die Extra- villaner!" Die konnten nicht früher kommen, da sie mit Feldarbeit beschäftigt waren. Diese stellen das Gleichgewicht wieder her. Aber auch andere Leute sind nicht faul gewesen! Die drüben haben den „Hunderterausschuß" in Reserve gehalten, und als die Gegenpartei den Sieg bereits sicher zu haben glaubt, rücken jene an und gewinnen richtig, bei Anbrnch der Nacht, die Mehrheit um einige Stimmen. Aber selbst die Kranken aus dem Hospital müssen heran, — um zu stimmen! Wenn dann der Präsident die Wahl geschlossen und das Ergebniß verkündigt hat, bricht die siegreiche Partei in lautes Jubelgeschrei aus. Mit zweihundert Wagen fahren
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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