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Die höchste Stufe der Volksschulen zeigt sich in den Bürgerschulen, anch diese sind
eine Schöpfung der neueren Zeit. Die Bürgerschulen für Mädchen stehen mit ihren?
heutigen Lehrplan den höheren Töchterschulen nahe; es gibt ihrer in der Hauptstadt sieben
mit 51 Lehrsälen und 2494 Schülerinnen.
Die erste Bürgerschule für Knaben entstand 1869 in Alt-Ofen; gegenwärtig gibt
es in der Hauptstadt, außer der schon erwähnten staatlichen und zwei Privat-Bürgerschuleu
vier durch die Stadt erhaltene Bürgerschulen für Knaben, jede mit mehreren Parallel-
klassen wegeil des starken Schülerbesuchs. Charakteristisch für sie alle ist, daß, obgleich
das Gesetz den Lehrgang der Bürgerschulen für Knaben mit sechs Jahren feststellt, die
fünften und sechsten Klassen dennoch aus Mangel an Schülern thatsächlich eingegangen sind
und dieKnaben nach Zurücklegung des vierten Jahrganges fast ausnahmslos iudieHandels-
Lehrcnrse übergehen.
Nach alledem müssen wir nuu auch der verschiedenen in Budapest befindlichen Fach-
schulen und Fachcurse gedenken, die zum Theil in Verbindung mit den bereits erwähnten
Lehranstalten orgauisirt sind.
Unter ihnen steht auf der Stufe der höhereu Schulen die staatliche Musterzeichenschule,
zugleich Ausbilduugsaustalt für Zeichenlehrer; sie nimmt Jünglinge auf, welche die Mittel-
schule zurückgelegt haben, uud gewährt ihnen theils die Vorbildung für die Künstlerlaufbahn,
theils die Ausbildung zu Zeichenlehrern. In dieser Anstalt finden anch die Befähigungs-
prüfungen der Zeichenlehrer statt; die Ausbildung erstreckt sich auf die Elemente aller
Zweige der bildenden Knnst und auch auf die nothwendigen geometrischen Kenntnisse.
Die hervorragendste Anstalt für gewerblichen Unterricht ist in Budapest die staatliche
Gewerbe-Mittelschule, die in ihrem ausgedehnten Neubau mit allen Behelfen des
theoretischen und praktischen Gewerbeunterrichts, auch mit großen Werkstätten versehen ist
und der das technologische Gewerbemuseum gleichsam als ergänzender Bestandtheil dient.
Die Aufgabe dieser Anstalt ist, für das Banwesen Manrer, Steinmetze, Zimmermeister
und Poliere, ferner für die Fabriksindnstrie Maschinisten und Werkführer, für die Metall-
uud Eisenindustrie, sowie für die meisten Zweige der Holzindustrie selbständige Meister
zu bilden. Sie hat gegenwärtig neunzehn Professoren und fünf Werkführer, unter denen
nahe an 200 ordentliche Schüler ihre Studien vollenden, doch werden überdies anch
außerordentliche Lehrcnrfe gehalten, besonders für das Baugewerbe, für Dampfkesselheizer
und die Bedienung der Dampfmaschinen, und erhalten in diesen Cnrsen über 800 schon
gewerblich thätige Personen ihre Fortbildung.
Die staatliche Knnstgewerbeschnle gewährt die Ausbildung in den hervorragenderen
Gattungen des Kunstgewerbes, besonders in der dekorativen Plastik und Kleinplastik, der
dekorativen Malerei, dem Holzschnitt und Kupferstich, sowie iu der Metallgravüre.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Band 12
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (3)
- Band
- 12
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.49 x 21.91 cm
- Seiten
- 626
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch