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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 212 -
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212 Die Bibliothek, die jetzt über 200.000 Bände umfaßt, hat ihren ursprünglichen nationalen Charakter bewahrt und sammelt in erster Reihe Huugarica, daher sie auch unter allen vaterländischen Bibliotheken an ungarische» Jnennabeln die reichste ist. In neuerer Zeit hat sich in ihr als besondere Unterabtheilung eine Zeitschriftensammlung heraus- gebildet, welche alle in Ungarn erschienenen Zeitungen und Zeitschriften enthält. Die Handschriftensammlung besitzt 12 Codices, die ans der Bibliothek des Königs Matthias, der weltberühmten Corvina, stammen und mit dem gleichzeitigen Wappen nebst Emblemen des großen Königs geschmückt, also unzweifelhaft für ih« verfertigt find. In einigen bewundern wir die meisterhaften Miniaturen der berühmten Maler Attavante, Francesco del Chierico uud Gherardo; vier von diesen hat Sultan Abdnl-Aziz unserem erhabenen Monarchen verehrt, als dieser ihn in Constantinopel besuchte, uud Seine Majestät spendete alle vier dem Nationalmuseum, um sie der uugarischen Hauptstadt wiederzugeben, von wo sie vor vierhundert Jahren als Beute nach Constantinopel gelangt waren. Zwei sind Geschenke des Herzogs von Modena, einer wnrde von den Erben der Mailänder Familie Trivulzi um 6.500 Francs erworben. Auch sind viele Handschriften vou Clemens Mikes, Vörösmarth, Kazinczy, Verseghy, Petöfi und anderen berühmten ungarischen Schriftstellern vorhanden. Unter den alten Manuskripten ist eines der werthvollsten für die ungarische Literatur das Sprachdenkmal, das den Titel „Leichenrede und Gebet" (Halotti dss?eck vs XünvörFes) führt und dessen Facsimile Band I, S. 72 von „Ungarn" mitgetheilt wnrde. Besonders interessant ist die reiche Sammlnng der Proclamationen, Flugschriften, Placate, privaten und amtlichen Schriftstücke aus den Jahren 1848,49. Im Archive haben 25 adelige Familien ihre alten Urkunden hinterlegt, die jetzt in den inneren Sälen von Gelehrten stndirt werden, während der geräumige, aber freilich im Verhältniß znr großen Zahl der Leser keineswegs ausreichende Lesesaal hauptsächlich von der studirenden Jugend benützt wird. Außer der großen Bibliothek besitzt noch jede Abtheilung des Museums eine eigene Fachbibliothek, nnd zwar die Münzen- und Autiquitäteu- sammlung die reichste. Auch die Müuzeu- und Antiquitätensammlung hat ihren nationalen Charakter rein bewahrt nnd erwirbt ausschließlich Gegenstände, die im Lande gefunden oder gefertigt wurden oder im Besitze vou Ungaru wäre« oder sich überhaupt irgendwie anf Ungarn beziehen. Die Direction hält sich diesen Grundsatz so streng vor Angen, daß sie, nachdem in neuerer Zeit das Kunstgewerbemuseum zu Stande gekommen, diesem alle jene werthvolleu ausländischen Knnstschätze anf ewige Zeit in Verwahrung gab, welche aus der Sammlung Nikolaus Jankovich oder etwa als fürstliches Geschenk des Barons Revay uud anderer Patrioten, ins Nationalmuseum gelangt waren. Ebenso hat die Bildergallerie
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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