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des Kaisers, seiner Gemalin und Schwägerin in kaiserlichen Prunkgewändern; sie wurden
bei Nyitra-Jvänka durch den Pflug zu Tage befördert. Die Geschichte schweigt davon, auf
welche Art diese Schätze des XI. Jahrhunderts nach Ungarn gelangt sind; der Kunstkenner
erkennt die nämliche Technik, wie an jenem Theile der Krone St. Stesans, der von dem
Nachfolger Constantins, Michael Dukas, dem König Geza I. geschenkt wurde. Interessant
sind noch die in den Trümmern der Stnhlweißenburger Domkirche ausgegrabenen Grab-
beilagen König Bela's III. und der Königin Agnes von Antiochia: ihre silberne Todten-
krone, das königliche Szepter, Brnstkrenz und Schwert, die Sporen und zwei goldene
Ninge, deren einer einen antiken, der andere einen mit arabischer Inschrift versehenen
Edelstein umfaßt. Eiue dritte Kroue wurde in den Ruinen des größten Klosters der
Margaretheninsel vor dem Hauptaltar, auf der sogenannten Evangeliumsseite, in jenem
Grabe gefunden, wo man nur die vornehmste Person zu begraben pflegte; sie hat also
wahrscheinlich der heiligen Margarethe gehört. In großer Zahl weist die Antiqnitäten-
sammlnng Räuchergefäße, Haudwärmer, verzierte Leuchter, Agnamaniles, Gefäße mit
Limoger und Kölner Email und besonders Crucifixe auf, an denen die beiden Füße des
Heilands »eben einander mit zwei Nägeln an den Kreuzstamm befestigt sind, ein Zeichen,
daß sie vor Beginn des XIV. Jahrhunderts gefertigt wurden, da man erst um diese Zeit
begauu, aus malerischen Gründen einen Fnß des Gekreuzigten über den andern zu biegen
und beide mit dem nämlichen Nagel durchbohrt darzustelleu. Der gelehrte Aachener
Eanonicns Bock staunte schon vor dreißig Jahren, als er die Beschreibung eines Theiles
der kirchlichen Schätze des Mnseums veröffentlichte, über diesen Reichthum an romanischen
Denkmäler« der Kleinkunst. Sie wurdeu allerdings, weil sie nicht besonders gefällig sind,
in den vergangenen Jahrhunderten wenig beachtet, daher sie mm in den Museen selten
vorkommen. Bemerkenswerth ist schließlich aus dieser Zeit die Menge vorhandener
Schwerter aus den Kreuzzügen.
Die Zeit der gothischen Bankuust fällt in Ungarn mit den Königen aus dem Hause
Anjou und mit Sigismnnd zusammen. Die Kunst und Kunstindustrie dieser Epoche
ist im Museum nur durch wenige Denkmäler vertreten; dagegen läßt sich die Kunst der
Renaissance, also der Zeit des Königs Matthias, der beiden Jagelloniden, der ersten
Habsburger und der siebeubürgischen Fürsteil bis zur Gegenreformation und der ent-
scheidenden Einflußnahme der Jesuiten, das heißt von der Mitte des XV. bis zum Beginn
des XVII. Jahrhunderts, im Nationalmnsenm an herrlichen Schmuckgegenständen, weltlichen
Schalen, Becher», Humpen, sowie kirchlichen Kelchen nnd Monstranzen ftudiren. Man sieht,
wie deutsche und italienische Kunst sich in Ungarn begegnen und, unter dem Einfluß der
orientalischen, bei den Türken herrschenden Kunstformen, in Kronstadt, Hermannstadt,
Großwardein, Lentschan sich bei den einheimischen Goldschmieden ein eigener ungarischer
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Band 12
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (3)
- Band
- 12
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.49 x 21.91 cm
- Seiten
- 626
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch