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ausgestatteten Werken, die sich in solcher Vollständigkeit nur in den Bibliotheken der welt-
berühmten Museen wiederfinden.
Seitdem anch die botanische Sammlung so angewachsen ist, gilt in der That von dem
ganzen Nationalmuseum, was De Lina (Histoire cku travail, S. 110) von der Anti-
quitätensammlung desselben sagt: ,1^ Nusee kuckapest est a In kkmteur «Zes plus
Arsnäes collections russemblees duns les capitklles I'Lurvpe" (das Budapester
Museum steht auf der Höhe der größten Sammlungen in den Hauptstädten Europas).
Die Bildergallerie des Museums enthält die Werke der neuere» Maler; die
namhafteren ungarischen Maler sind möglichst vollzählig vertreten, von ihnen soll weiterhin
in dem Kapitel: „Malerei und Plastik" eingehender die Rede sein. Außer deu ungarischen
befinden sich da auch jene ausländischen Gemälde der Gegenwart, die auf den alljährlichen
Ausstellungen der ungarischen Gesellschaft für bildende Kunst von Zeit zu Zeit für die
Gallerie augekauft werden. Es sind darunter Werke von berühmten dentschen, französischen,
norwegischen, belgischen und italienischen Malern.
Die Laudes-Bildergallerie gehörte ursprünglich gleichfalls zum Ungarischen
Nationalmuseum, wurde aber später im Palast der Akademie untergebracht. Ladislans
Pyrker, Erzbischos von Erlau, der seinerzeit berühmte deutsche Dichter, hatte, als er
mehrere Jahre hindurch die Würde eines Patriarchen von Venedig bekleidete, werthvolle
venetianische Gemälde gesammelt und sie später dem Ungarischen Nationalmuseum geschenkt.
Diese Sammlung wurde durch einzelne Mäcene gemehrt, und im Jahre 1848 kamen noch
die Bilder aus dem Besitze des Herrscherhauses hinzu, welche im Belvedere keinen Raum
gesunden und früher die Wände der Säle im königlichen Schlosse zu Preßburg, später
die der königlichen Statthalterei in Ofen geschmückt hatten. Zu größerem Ansehen jedoch
gelangte die Landesgallerie erst, als das Land die Bildergallerie des Fürsten Esterhäzy nebst
dessen Sammlung von Handzeichnungen und Kupferstichen um 1,300.000 Gulden ankaufte.
Diese berühmte Gallerie, welche früher im Wiener (Mariahilfer) Gartenpalast des Fürsten
aufgestellt war, nahm seit zwei Menschenaltern nicht hinsichtlich der Anzahl, wohl aber des
Kunstwerthes der Bilder den ersten Platz unter den Wiener Privatfammlungen ein. Als der
Fürst zu Anfang der Sechziger-Jahre Garten und Palast an die Stadt Wien verkaufte, ließ
er die Bilder nach Budapest schaffen, wo die Akademie das zweite und dritte Stockwerk ihres
im Bau begriffenen Palastes so einrichtete, daß diese herrliche Sammlung dort würdig unter-
zubringen sei, in der Hoffnung, daß sie doch früher oder später in den Besitz des Landes
übergehen und fortan eine der Hauptzierden der Hauptstadt bilden werde. Die Aussicht darauf
war freilich bei der Zerrüttung der Finanzen Ungarns sehr gering und in der That hatte sich
1870 bereits eine internationale Gesellschaft von Unternehmern gebildet, um die Gallerie
anzukaufen und stückweise zu verwerthen. DieNationalGallery zuLondon sandte sofort ihren
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Band 12
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (3)
- Band
- 12
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.49 x 21.91 cm
- Seiten
- 626
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch