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in Florenz gleichwerthig ist, ein Mädcheuporträt von Palina Vecchio, ein prächtiges
Männerporträt vou Loreuzo Lotto, ferner von Tintoretto die „Ehebrecherin" und mehrere
Bildnisse. Aus der Zeit des Niederganges endlich ragen die ausgezeichneten Werke von
Tiepolo, Bernardino Bellotto und Guardi hervor. Die Nebenzweige der venetianischen
Malerei sind gut vertreten durch Arbeiten von Crivelli, Previtali, Girolamo da Libri und
Paolo Caliari. Auch die bemerkenswerthe Schule von Ferrara nnd Bologna lernt man
in der Landesgallerie genau kennen. Ihrer älteren Periode gehören die „Ccres" des
Ungars Michael von Pannouieu und der „Heilige Christoph" des Filippo Mazznola au.
Die Zeit des Aufblühens bezeichnen die Werke Francesco Francia's nud seiner Schülcr,
Correggio's „Madonna" gibt einen Begriff von dem genialsten Maler dieser Schule uud
auch die Richtung Dofso's und Garosalo's läßt sich an einigen Bildern stndiren. Zahl-
reiche Bilder dienen als Belege für die Bestrebungen der Carracci nnd ihrer Nachfolger,
doch gehört keines zu ihren hervorragenden Arbeiten. Die neapolitanische Schule endlich
ist durch vorzügliche Bilder, namentlich Ribera's würdig vertreten.
Die spanische Malerei ist außerhalb ihrer Heimat nur an wenigen Orten gründlicher
zu stndiren als in der Landes-Bildergallerie. Man sieht hier eine lange Reihe von
Malern der iberischen Halbinsel, von Vincente Ananes im XVI. Jahrhundert bis zu dem
im XIX. Jahrhundert verstorbenen Goya: wohl fehlt der Größte, Velasquez, doch kaun
man dafür seinen Nebenbuhler Murillo in sechs Bildern bewundern und die „Heilige
Rosa" des Nicolas de Villaciis, dieses Meisterstück spanischer Malerei, gewährt sogar
eine Anschauung von der Kunst eines großen, diesseits der Pyrenäen sonst gänzlich
unbekannten Meisters.
Von den Werken der französischen Maler erregt namentlich ein Meisterbild des
hervorragenden Landschafters Clande Lorrain mit Recht Bewunderung.
Unter den Bildern aus der ersten Epoche der niederländische« Kunst ragt der
„Calvarienberg" Hans Memling's hervor, er ist den in Brügge befindlichen Werken des
Meisters ebenbürtig. Das XVI. Jahrhundert bietet unter Anderem die prächtigen Bildnisse
von Colyu van Niencastel und zwei Hauptstücke von Antonis Moor: die Porträts
Philipps II. und der Maria Tndor. Der große Aufschwung des XVII. Jahrhunderts zeigt
sich iu Werken von Rnbens, van Dyck nnd Jordanes, sowie in zahlreichen Arbeiten der
Brueghel, Teniers und ihrer Genossen, unter denen „Die Familie des van Eyck" von
Gonzales Cocques, ein schon zur Zeit seines Entstehens berühmtes Bild, den ersten Platz
verdient. Die reichhaltige Reihe von Werken holländischer Meister bietet ebensoviel
Genuß als Belehrung und ist ein Hauptstolz der Gallerie. Mau sieht da Meisterstücke der
Localfchulen, nach Städten geordnet und aufgestellt, darunter Bilder von einigen Meistern,
deren Namen bisher nur aus Urkunden, nicht aus ihrcu Werken bekannt gewesen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Band 12
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (3)
- Band
- 12
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.49 x 21.91 cm
- Seiten
- 626
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch