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nach, zu den ersten ihrer Art. Werthvolle Schätze des Museums sind ferner die ungarischen
Stickereien und die in Siebenbürgen gesammelten orientalischen Teppiche; unter den letzteren
kommen solche vor, die sich iu keiner anderen europäischen Sammlung finden. Die seit
seinem Bestehen mit dem Museum verbundene galvanoplastische Anstalt hat von 250
ungarischen Goldschmiede-Arbeiten Copien angefertigt, die auch von ähnlichen Anstalten des
Auslandes erworben wurden. Die beiden glänzendsten Momente in der Wirksamkeit dieses
noch jungen, aber kräftig gedeihenden Instituts sind die Ausstellung alter ungarischer
Bücher (Mauuscripte und Drucke) von 1882 und die Ausstellung von Werken der Gold-
schmiedekunst im Jahre 1884.
Die Ungarische Akademie der Wissenschaften.
Die Idee einer Akademie der Wissenschaften ist in Ungarn schon alt. Ihre ersten
Spuren führen in die Zeit des Königs Matthias zurück, an das Ende des XV. Jahr-
hunderts und an den Anfang des XVI. zu der durch Konrad Celtes gegründeten ,8o6uliws
lütteruria IInAurorum", deren Präsident Johann Vitez, Erzbischos von Gran, war und
als deren Mittelpunkt zwar Wien gilt, die aber auch in Ungarn zwei Filialen hatte: eine
jenseits der Donau und eine in Siebenbürgen. Über ihre Wirksamkeit fehlen die Daten,
sicher ist nur, daß die Schlacht bei Mohäcs ihr ein Ende gemacht hat. Über zweihundert
Jahre lang geschah dann gar nichts, um eine Gesellschaft für Literatur und Wissenschaft
ins Leben zu rufen. Nur aus dem Jahre 1730 ist noch eine Skizze der Organisation
der damals gegründeten „Gesellschaft für Heimatskunde" (Honismestetö lÄi-susäA)
erhalten. Doch auch von dieser ist nichts Näheres bekannt. Dreißig Jahre später, aus
dem Jahre 1761, verlautet eine kurze Nachricht über die Entstehung der „Preßburger
gelehrten Gesellschaft" luävs lui-susüA) und einige ihrer Mitglieder, des-
gleichen aus dem Jahre 1770 über den Plan der .^.eaäemia ^.uAusta", dessen Verwirk-
lichung, mit vier Sectioueu, Maria Theresia vorbehalten war. Das Alles blieb jedoch
Entwurf, weil die damalige Regierung der Verwirklichung unüberwindliche Hindernisse
entgegensetzte. Auch Peter Bod erwähnt 1756 in einem seiner Briefe an Gedeon Raday,
daß „zur Schmückung und Befestigung der stark verderbten Sprache" irgend eine literarische
Gesellschaft zu gründen wäre. In der That war das Gedeon Räday'sche Kastell zu Ludauy,
wie später das zu Peezel, mit seiner werthvollen Bibliothek eine Art von Mittelpunkt für
die ungarischen Gelehrten und Schriftsteller und der Schloßherr selbst, ein hochgelehrter
und in den fremden Literaturen bewanderter Mann, sandte den im Lande zerstreut lebenden
Schriftstellern die nöthigen Bücher, um das wieder entbrennende Licht der Bildung nach
und nach anzufachen. Der Gründung organisirter Gesellschaften waren jedoch weder die
politischen, noch die literarischen Zustände günstig.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Band 12
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (3)
- Band
- 12
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.49 x 21.91 cm
- Seiten
- 626
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch