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sozusagen die Archäologie, sie ließ (1847) die Grabhügel von Erd nnd Bäta öffnen, ver-
anstaltete also zum ersten Male ungarische Nachgrabungen zu wissenschaftlichem Zwecke
und lenkte zugleich die Aufmerksamkeit des großen Publikums auf die Erhaltung der
vaterländischen Kunstdeukmäler. Auch auf philosophischem, rechtswissenschaftlichem und
volkswirthschastlichem Gebiete erörterten ihre Mitglieder mehrmals wichtige Fragen, die
sich auf vaterländische Verhältnisse, auf die älteren ungarischen Bearbeiter dieser Zweige
der Wissenschaft und auf die Herausgabe ihrer Werke bezogen. Die Akademie ließ das
Tr ipar t i tnm (Härmas kSn^v) des Verböczy, diesen ehrwürdigen Codex der ungarischen
Gesetze, ins Ungarische übersetzen und in zwei Ausgaben erscheinen, sie ließ die Daten zur
Geschichte der ungarischen Gesetze fleißig sammeln und veröffentlichte anch das Fach-
wörterbuch dieser Wissenschaft, dessen man dringend bedürfte. Auf naturwissenschaftlichem
und mathematischem Gebiete konnte sie verhältnißmäßig am wenigsten selbständig wirken,
sammelte aber auch da eine große Menge werthvoller Daten zur Klarlegung und besseren
Kenntniß der Naturverhältuisse Ungarns. Ihre heilsame Thätigkeit steigerte sich von Jahr
zu Jahr, uud so wurde ihre Wirkung auf das Publikum immer fühlbarer gerade zu der
Zeit, als die Ereignisse von 1848 ihrer Wirksamkeit Einhalt geboten.
Über anderthalb Jahre feierte die Thätigkeit der Akademie. Toldy lud die iu der
Hauptstadt wohnenden Mitglieder in seine Wohnung ein, wo der Gedankenaustausch
insgeheim fortgesetzt wurde, gleichsam als Ersatz für die öffentlichen Sitzungen. Am
10. Juni 1850 beganueu die wöchentliche» Sections- und Gesammtsitzuugen, nur die
Abhaltung der Generalversammlungen war durch die damalige absolutistische Regierung
verboten. Man konnte also weder neue Mitglieder wähle», noch Preise ertheilen, noch
Preisbewerbungen ausschreiben. Im Jahre 1853 erläßt die Regierung die Weisung, die
Akademie möge, wenn sie ihre Thätigkeit fortsetzen wolle, ihre Statuten „den neuen Ver-
hältnissen entsprechend umgearbeitet" einreichen. Die Einreichung geschah, die Genehmigung
aber ließ lange auf sich warten. Da die Pflege der Wissenschaften in ungarischer
Sprache der Regierung nicht genehm war, strich sie in den genehmigten Statuten gerade
diese wichtigsten Worte, was im ganzen Lande begründete Sorge erregte. Eine Commission
wandte sich damals an Seine Majestät wegen Herstellung der ursprünglichen Fassung
und überhaupt um ein ungestörtes Weiterwirkeu der Akademie zu ermöglichen, und so
folgten den Zeiten der Prüfung im Jahre 1858 Tage der Hoffnung und des Vertrauens.
Die Akademie durfte ihre Generalversammlung abhalten, Mitglieder wählen und den
Strom ihrer Thätigkeit iu ein breiteres Bett lenken. Graf Emil Defsewffy, der damalige
Präsident der Akademie, gab in der Rede, mit der er die Festsitzung eröffnete, der Nation
die Versicherung, daß die Akademie „auch in den ihr aufgezwungenen Fesseln frei wirken
werde". „Wir haben" — sagte er — „auf geistigem Gebiete in erster Reihe die Bestim-
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Band 12
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (3)
- Band
- 12
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.49 x 21.91 cm
- Seiten
- 626
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch