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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 252 -
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252 gerade von dichterischem Leben und Feuer durchdrungen sind, erkennt man ein gewisses Streben des Dichters, Leidenschaften zu malen. Über den Verfasser des Gedichtes ist man noch nicht einig. Aron Szilädy tritt für Pelbart von Temesvär ein, den Franciscanermöuch, der unter König Matthias der berühmteste Kanzelredner und Schriftsteller war. Er ist der erste ungarische Theologe, dessen Schriften in ganz Europa bekannt werden. Seine großen Werke, die Sermones äe Lanctis ?omerii, Sermones <ie tempore, Lermones czuaäraZesimales waren nicht nur in Ungarn, sondern überall in der civilisirten Welt hoch geschätzt. Sie dienten den ungarischen Legendenschreibern als Quellen, wie denn Pelbart offenbar von außer- ordentlichem Einfluß auf seine Zeit gewesen ist. Entgegen der neuen Richtung der Renaissance trat er als hervorragender Meister der älteren mittelalterlich-religiösen Richtung auf und fast alle Prediger seiner Zeit kamen bei ihm zu lernen. Er schrieb seine Werke, wie er selbst sagt, „in einfacher, der einfältigen Sprechweise des Volkes unserer Heimat angemessener Rede", und hielt sich insbesondere den Zustand des Landes vor Augen. Daher seine ungeheure Wirkung, die den Gegensatz zwischen Humanismus und ungarischem Nationalgeist so scharf hervortreten ließ. So gilt uns Pelbart vom Standpunkt der allgemeinen Enltnr für eine Persönlichkeit von ungewöhnlicher Bedeutung; vom rein nationalen und ästhetischen Gesichtspunkt aber dürfen wir auch jeue Bruchstücke der mittel- alterlichen Literatur Ungarns nicht unerwähnt lassen, die sich in lyrischer oder epischer Form mit einem nationalen König oder einer Begebenheit im Vaterlande beschäftigen. Jene zeigen die Idee des Katholizismus in engstem Zusammenhang mit den Ideen des ungarischen Patriotismus uud Königthums; diesen ist es mehr darum zu thun, Beispiele nationalen Heldenmuthes aufzustellen. In diesen nationalen Gesängen spielt die Jungfrau Maria eine kaum geringere Rolle als in den Sagen des Mittelalters. „Die Jungfrau Maria, als Schutzfrau Ungarns, ist" — wie Gynlai schreibt — „gleicherweise Gegenstand der religiösen wie der patriotischen Verehrung. Ihr Bild weht auf den Fahnen Ungarns und der Patriot fleht zu ihr, als zur Wiedererweckeriu der Todten, Verderberin der Feinde, guten Beratherin der Könige und Schützerin der Magyaren." Außer ihr sind noch „St. Stesan und St. Ladislans nationale Schutzpatrone, Helden des christlichen Glaubens wie des nationalen Ruhmes". Beide sind in Hymnen verewigt, die noch jetzt in den Kirchen erschallen. Von Ladislans dem Heiligen singen im XV. Jahrhundert zwei Hymnen, die aber gewiß beide nur Echos aus noch älterer Zeit sind. Der magyarische Rhythmus pulsirt in ihnen hier und da in größter Reinheit, wie sie sich nur in den neuerdings gesammelten Szekler-Balladen wiederfindet. So in dem „Gesang vom heiligen König Ladislans": Rein du an Körper, glänzend die Seele, Nannten darum dich Läszlö den Tapfern, Tapfer im Herzen, wie der wilde Lene; Als du ein Kindlein annoch gewesen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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