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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 254 -
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254 dafür, daß an König Matthias' Tafelrunde auch magyarische Gesänge erklungen sind. Fr. Aruoldus de Bavaria schreibt nämlich in seinem zu Köln 1482 erschienenen Werkchen: „Der Erwähnung werth scheint mir jener Ungar, Namens Gabriel, der zur Ergötzung seiner Heimatgenossen mehrere vortreffliche ungarische Gesänge und Lieder derart glücklich verfaßt hat, daß an diesen — wie man sagt — selbst der großmächtige Matthias, der hochgelehrte König der Pannonier, in freien Stunden oftmals Wohlgefallen gefunden. Derselbe Gabriel, so erfahre ich von meinen dortigen Mönchsgenossen, bemüht sich jetzt, des erwähnten unüberwindlichen Königs Tapferkeit und Kriege in ungarischer und lateinischer Sprache zu besingen, um das unvergängliche Gedächtniß dieses großen Königs den kommenden Jahrhunderten zu überliefern." Allein der Tod des großen Königs ließ die Klänge der nationalen Epik gleichsam verstummen. Unter der Herrschaft der Jagellonen sehnte man sich oft nach Matthias zurück, dem Mann von starkem Arm und energischem Entschluß, der „so mächtig war unter den Königen, daß er, wie das obenerwähnte Gedenklied sagt, die Stadt Wien und Deutsch- land (Österreich) nach Belieben an seine Krone knüpfte." Jetzt wußte Niemand die Interessen der Nation gegen den drohenden äußeren Feind zu schütze», noch Hab nnd Gnt der Einzelnen gegen die mächtigen Oligarchen. Das Volk sah sich verlassen und giug Geistlichen und Weltlichen, überhaupt den Herren, mit scharfer Satire zu Leibe. Es war unzufrieden mit der Zeit, es sehnte sich nach gesellschaftlicher Reform und wagte es, vielleicht zum ersten Male, die drohende Haltung anzunehmen, die sich in dem „Straflied" Apätis kundgibt. Diese allgemeine Unzufriedenheit verrieth, daß große Zeiten im Anzug waren. II. Das XVI. Jahrhundert bewirkte in Ungarn außerordentliche Veränderungen. Die Gebietseinheit des Landes wurde zerstückelt, die politische Einheit der Nation spaltete sich in starke Parteien und ihre religiöse Überzeugung folgte den verschiedenen Glaubens- bekenntnissen. Die Idee des Protestantismus, die selbst am königlichen Hofe Schützer fand, verbreitete sich nach der Unglücksschlacht bei Mohäes rasch und die Nation wurde völlig hineingerissen in den Wirbel jener Bewegung, die auf den Trümmern der Renaissance entstand, um die Religion und mit ihr die ganze Gesellschaft, die ganze Weltanschauung der europäischen Menschheit umzugestalten. Die Apostel der neuen Religion stürzten die einheitliche religiöse Überzeugung des mittelalterlichen Magyarenthnms von Grund aus um und nahmen den Kampf auf nicht nur mit den Priestern der katholischen Kirche, sondern mit Allen, die der Ansicht waren, daß die Macht der katholischen Kirche noch ferner aufrecht bleibett solle. Mit unwiderstehlicher Gewalt rissen sie alle geistigen Verkehrs- mittel an sich: die Druckerpresse, die Schule, die Kanzel, und der schlichte Prediger wnrde,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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