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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 256 -
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256 bei irgend einem anderen Schriftsteller. Er war in der That der Genfer Calvin, auf ungarischen Boden verpflanzt. Mit nicht geringem Erfolg wirkte ferner Franz David, der Begründer der unitarischen Kirche iu Ungarn, und noch manche Andere gebrauchten Wort und Schrift als Waffen, um die Anhänger der alten Kirche aus allen ihren Schanzen heranszufcheuchen. Ein ununterbrochener Kampf von fünfzig Jahren blieb denn auch nicht ohne Früchte, und als die Priester der katholischen Kirche die Zeit für gekommen hielten, den Siegeslauf der neuen Religion zu hemmen, war die große Arbeit, die Begründung des Protestantismus so ziemlich vollendet. Zum Glück für die katholische Kirche traten indeß gleich Anfangs zwei Männer zu ihrem Schutze auf, in denen Bildung uud Geschmack, Vaterlandsliebe und tiefe religiöse Überzeugung, positives Wissen und Scharfblick vereint waren: Nikolaus Telegdi, Bischof von Fünfkirchen, und Andreas Monoszlai , Bischof von Veszprem. Der letztere spricht, indem er die Abweichungen in den Glaubensartikeln scharf kritisirt, auch seine charakteristische Überzeugung aus, daß die neue Religion die damalige traurige Lage Ungarns verschuldet habe. Diesen Angriff wies dann (1602) Stesan Magyar i zurück, indem er der Überzeugung der Protestanten Ausdruck gab, daß Gott gerade wegen des halsstarrigen Festhaltens an den alten Irrthümern die ungarische Nation mit so vielen Feinden heimsuche. Es ist eine interessante Erscheinung, daß diese Idee der Glaubensstreitigkeiten ungefähr ein Jahrhundert lang alle ungarischen Schriftsteller und Dichter beherrscht. Die Verfasser von Gesängen, Geschichten, Lehr- und Rügegedichten sprechen fortwährend davon, bei den Katholiken wie bei den Protestanten. Die Leiden des Vaterlandes erscheinen ihnen in engem Zusammenhang nicht nur mit der — deutschen oder türkischen — Auffassung der politischen Parteien, sondern auch mit der Überzeugung der Religionsbekenntnisse. Die deutsche Partei erklärte die Türkenplage und den Ruin des Landes aus der Losreißung von der katholischen Religion, von Gottes wahrer Kirche, wie dies im nächsten Jahr- hundert Päzmany und Zriuyi mit so tiefer Überzeugung verkündeten; die türkische Partei sah den Niedergang der Nation in der Verfolgung der protestantischen Religion, in der Anhänglichkeit an die alte Kirche, beide aber betrachteten die Erschöpfung des Landes als Strafe Gottes. Der Patriotismus verschmolz auch jetzt mit der religiösen Auffassung und Lyriker wie Epiker schöpften gleichermaßen aus dieser Quelle Stoff für ihre Gesänge, Jeremiaden, weltlichen und biblischen Erzählungen. Natürlich sind die Verkünder der neuen Religion weit eifriger im Bearbeiten alter und im Verfassen neuer Gesänge, im Übersetzen der Lieder Luthers oder der Psalmen, als die Katholiken. Die vorhandenen Liedersammlungen vom Jahre 1536 bis zum Anfang des XVII. Jahrhunderts sind sämmtlich für die protestantischen Bekenntnisse angelegt, und zwar die meisten für die Anhänger Calvins, während die Evangelischen A. C., die Unitarier und Sabbatarier sich sozusagen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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