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die fürstlichen Zuschauer entzückte. Seine kriegerische Laufbahn fiel jedoch ebenso unglücklich
aus als sein Familienleben. Da er von gewaltthätiger Natur war, unbeständig in der
Liebe, grausam gegen seine Unterthanen, ein richtiger mittelalterlicher Zwingherr, so
verfloß sein Leben in ewiger Drangsal; endlich verließ ihn seine Frau, Christina Dobö,
worauf er vor Kummer und Scham in die weite Welt zog, ein Heimatloser, und erst
1594 wieder zurückkehrte, um uach der Belagerung von Gran an seinen dort erhaltenen
Wunden zu sterben.
Unter seinen Dichtungen finden sich geistliche Gesänge, Liebeslieder, patriotische und
ritterliche Gedichte. Er richtete an seine erste Liebe, wie an seine Fran und noch Andere
zahlreiche echte Lieder uud noch mehr liedartige Gedichte, am schönsten jedoch offenbart
sich die wahre Glut der Liebe, ihre Schwermuth uud Sehnsucht, in den Versen, die an
Anna Maria Losonezi gerichtet sind. Die Stoffe, aus denen sein dichterisches Empfinden
Lieder schafft, sind ebenso verschiedenartig als für seinen Zweck geeignet. Als echter Lieder-
dichter weiß er in Allem eine Beziehung auf seine Liebe zu finden: bald dünkt er sich ein
Schwan, der mit seinem Weibchen auf dem Teiche schwimmt, bald benützt er seinen Ring
als mahnenden Sendboten an die Geliebte, damit sie ihn nicht vergesse, denn in ihr allein
finde er seine ganze Seligkeit; dann wieder wendet er sich an die Bienen mit Vorwürfen,
daß sie den Honig aus den Blumen saugen, da sie doch auf den Lippen seines Liebchens,
welche „reifen Kirschen gleichen", weit süßeren Honig finden könnten.
Die Unrast der Liebe, die melancholisch süße Freude gibt ihm viele Lieder ein, die
seine Bereitwilligkeit ausdrücken, für die Geliebte alle Leiden zu erdulden, oder sie anflehen,
ihn zu vernichten, da er ohnehin aller Hoffnung bar sei und sein Leben eitel Pein. Er hat
aber auch Lieder voll fröhlichen Scherzes darüber, daß er der Liebe, die ihn bisher gefesselt,
ledig geworden und nun in den Freuden des ritterlichen Lebens Entschädigung und
Erleichterung suchen könne. Jetzt — so ruft er —
Jetzt herbei, du rasches Roß, du Windspiel, gleich dem Wind,
Du scharfes Schwert, du Federspiel, Jünglinge froh gesinnt,
Auch im Kreis der Degen,
Die des Bechers Pflegen,
Ich nun meine Freude find'.
Zuweilen erhebt er sich vom Ton des Liedes bis zur Ode, mit einem Ausbruch von
Bitterkeit, weil er geboren, um immer nur von „mörderischen Qualen" verfolgt zu sein,
oder er sucht Trost in stiller Entsagung und verzehrt sich in sanfter Klage über sein
Schicksal, das sich tranrig gestaltet habe, dem kalten Winde gleich, nachdem der Herbst-
thau gefallen; sein Herz schluchzt, sein Auge überfließt von Thränen und er fragt, ob er
wohl noch seiner Lust leben könne oder verwaist dahinschleichen müsse bis an den Tod.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (3), Band 12
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (3)
- Band
- 12
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.49 x 21.91 cm
- Seiten
- 626
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch