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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 275 -
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275 Schule. Ihr Haupt ist Georg Bessenyei, der Abkömmling einer altadeligen Familie des Szabolcser Comitats, und seine Laufbahn bezeichnet das Morgengrauen der neuen ungarischen Literatur uud Cultur. Er war 1747 zu Berczel geboren, stndirte eine Zeit lang ans der Hochschule zu Sarospatak und zog sich dann auf das Erbgut seines Vaters zurück, um mit seinen Geschwistern die Landwirthschaft zu betreiben. Dem Szabolcser Comitate kommt das Verdienst zu, daß Georg Bessenyei plötzlich in „das Centrum der sprudeludeu Gedankenwelt Europas", nach Wien gelangen konnte, wo sein Gesichtskreis sich erweiterte, sein schlummernder Geist in Arbeitslust erglühte und mit dem unermüd- lichen Feuer einer jungen Seele sich dem Brennpunkte der westlichen Bildung zuwandte. Insbesondere war es Voltaire, dessen Ideen und Grundsätze ihn befruchteten. Er hing mit eifersüchtiger Liebe an der Vergangenheit seiner Familie, und als der Wohlstand des Väterhauses schwankte, hatte er das Gefühl, daß er allein berufen sei, ihn wieder auf- zurichten. In der Verarmung seiner Familie sah er das Schicksal der Nation, so oft die Zurückgebliebenheit des Magyarenthnms und dessen ungeheurer Abstand von der europäischen Civilisation seinen denkenden, brütenden Geist beschäftigte. Er erscheint in der Literatur als der Vertreter des großen Berufes einer noch lebensfähigen, mächtigen Race, um auf den Trümmern der halbversunkenen Vergangenheit die geistige Umwandlung einer neuen Welt zn planen, deren Nothwendigkeit zn verkünden, auf deren Erfolg zu bauen. Sein Glaube und Vertrauen, seine Begeisterung und sein Streben strömen aus in dem doppelten Wahlspruch der ungarischen Cultur: daß diese Cultur magyarisch und zugleich europäisch sei. In der „Tragödie des Agis", die im Jahre 1772 erschien und Maria Theresia gewidmet ist, in „Ladislans Hnnyady", „Attila und Bnda", dem „Philosophns" und so vielen anderen, erschienenen und nicht erschienenen Reim- und Prosaschriften kämpft er immer für diese Ideen, aus der tiefsten Empfindung und Gedankengährnng seiner edlen Seele herans, in seiner oft klangvollen Sprache, welche die Bildung der Neuzeit zum ersten Male magyarisch verdolmetschte, feurig und ergreifend, schwungvoll und kraftvoll. Als Apostel der Aufklärung, des freien Wortes und freien Gedankens, dachte er viel tiefer über die wahren Ziele des Menschen, als daß er fähig gewesen wäre sich durch strenge Fügung der ästhetischen Kunstformen auszuzeichnen, die gestaltende und charakterisirende Kraft des Dramatikers iu sich zu eutwickelu. Aber sein Drang zu lehren, anzuspornen und zu begeistern fand die Form, in der er am besten auf feiue Zeit wirken konnte. Fünfzig Jahre lang haben fast alle ungarischen Schriftsteller die Größe dieser Wirkung gefühlt, selbst Diejenigen, welche die ungarische Literatur auf den Spuren der alten Clafsiker erneuern wollten. Neben und mit Bessenyei bemühte sich nm diese Zeit in Wien und auch in Ungarn eine ganze kleine Gruppe, um die Ideen der französischen Literatur hier einzubürgern, lS»
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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