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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
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280 die erste ungarische Zeitung, den „Ungarischen Boten" Ilirmonäo), er griff die Idee zur Gründung der ungarischen gelehrten Gesellschaft auf, die zuerst durch Befseuyei angeregt worden, und legte ihren fertigen Plan dem Kaiser Joseph vor. Er verband sich mit seinen Genossen, um die Überlieferungen der Vergangenheit mit den Strebungen der Gegenwart zu verschmelzen, die Sprache auszubilden und zu ihren alten Quellen zurück- zuführen, deren Werth man zu jener Zeit noch wenig würdigte. Die Wirksamkeit der classischen Schule hörte nicht nur nicht auf, sondern die äußere Form erfüllte sich im Gegentheil erst von jetzt an mit innerem Gehalt, die Verse von fremdartigem Taktschritt nehmen Poesie auf, theils bei Kazinezy, Dayka, Baesänyi, theils selbst bei Földi, ganz besonders aber bei Benedikt Viräg, der die Schranken des starren Formalismus ausweitete, so daß sie zur Aufnahme der poetischen Idee und nationalen Empfindung fähig wurden. Viräg benützt die Idee der Vaterlandsliebe, die allen ungarischen Dichtern gemeinsam ist, gleichsam als entwickelndes Element, er weiß die philo- sophische Ruhe der römischen Dichter, insbesondere des Horaz, zu verwerthen und steigt oft bis zum Erhabenen. Seine gesammte Wirksamkeit, im Dichten, Fühlen und Denken, hat eine Grundlage: die Vaterlandsliebe, die ihn belebt und ihm das Vertrauen auf die Zukunft der Nation einflößt. Der Väter Ruhm hat zu dieser Zeit keinen feurigeren Ver- herrlicher als Viräg. Die in den Türkenkrieg ziehenden Heere erinnert er an die Zrinyi und Nädasdy, deren Heldengeist, wie er glaubt, noch immer über den ungarischen Kriegern schwebe. Und wenn er die Verkommenheit der Nation betrachtet, tönt seine Leier bittere Klage, leidenschaftlichen Vorwurf, wie um die Geister auf Berzseuyis mächtig erschütternde Klänge vorzubereiten: „Verderbuiß droht dem Ungar, der einst so stark!" Doch das patriotische Leid Virägs wird wohl auch durch herrliche Bilder der Vergangen- heit aufgeheitert und dann verkündet er voll Selbstgefühl: Von Budas Bergen werd' ich dann höher'n Klangs Des Helden Ärpäd klagenden Sprößlingen Zurufen: „Eines besser'n Glückes Morgen sich röthet bereits: vertrau n wir!" Seine Gedichte, welche einzeln erschienen, wurden gesammelt in den Jahren 1799 und 1823 herausgegeben, als bereits ein noch mächtigeres Talent, Daniel Berzseuyi (1776—1836) die ungarische Poesie von elassicistischer Form beherrschte. Auch Viräg wurde von seinen Zeitgenossen der ungarische Horaz genannt, doch gebührt diese Bezeichnung unter den ungarischen Dichtern in erster Reihe ohne Zweifel Berzsenyi. Dieser betrachtet den Geist seiner Zeit gleichsam mit den Augen des Horaz, aber er gießt in die Gefühle, welche die Ereignisse in ihm erregen, seine eigene Seele. Ansporn und Richtung läßt er sich von Horaz geben, aber er folgt den Eingebungen seines eigenen Genius. Er bevölkert den
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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