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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
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281 ungarischen Helikon mit griechischen und römischen Göttern, allein das Opfer, das er ihnen darbringt, ist das Erzeugniß des vaterländischen Bodens, die Andacht, der Schmerz, die Verzweiflung eines vaterländischen Herzens. Die Weltanschauung, die Auffassung des Alterthums bildet er um, nicht nur in christlicher, sondern in höchst nationaler, magyarischer Weise. Berzsenyi erhebt die bloße Nachahmung der classischen Poesie zum selbständigen Schaffen; den beschränkten Formen flößt er die bewußt schaffende Freiheit des von classischen Quellen genährten Nationalgeistes ein, die sich in der Wahl der Stoffe, in der Auffassung, Conception und gewaltigen Sprache des Dichters geltend macht. Berzsenyi begründete in der magyarischen Lyrik einen selbständigen, nationalen Classicismns, wie Goethe und Schiller durch einige ihrer dramatischen und lyrischen Werke einen selbständigen deutschen Classicismus geschaffen haben. An diese Umgestaltung knüpft sich der größte Ruhm der poetischen Begabung Berzsenyis. Allein Berzsenyi bricht bereits, in einigen seiner Gedichte, mit den classischen Formen, um sich den rein nationalen Versformen zuzuneigen und die volle Selbständigkeit des magyarischen Dichtergeistes zu verkünden. Er erhebt sein Wort zum Schutze der alten magyarischen Vers- formen und streitet für die Reinheit ihres Rhythmus den westeuropäischen Versgebilden gegenüber, welche nach Radays Vorgang durch Kazinczy und dessen Nachahmer in der ungarischen Literatur heimisch werden. Und nun wenden wir uns zu den Pflegern der Richtung, die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, unabhängig von der französischen, wie von der classischen Richtung, gleich- sam als Fortsetzung der alten gereimten „Historien" auftrat. Die französische Schule nähert sich den Männern dieser Richtung, sie benützen zum Theil die nämlichen Vers- formen, jedoch mit gepaartem Reime, der größte Unterschied zeigt sich in der Stoffwahl und den Ideen. Diese Schriftsteller wünschen zum Volke selbst zu sprechen, sich dem Geschmack, der Bildung des Volkes anzupassen. Zwar empfinden sie den Einfluß der alten lateinischen Dichtung, aber ihr Gedankenkreis ist ebenso national wie Versform und Sprache. Sie schöpfen aus den Quellen der Kunstpoesie, aber ebensoviel eignen sie sich von der alten ungarischen und der Volksdichtung an; von der letzteren allerdings lernen sie mehr den Ausdruck und die Sprache. Ihr Geschmack ist weniger entwickelt als der der französischen oder classischen Schule, ihr Hauptstreben geht nach dem magyarischen Gepräge. Der Mittelstand begrüßte ihr Auftreten mit freudiger Begeisterung, denn er erblickte in ihrem Wirken die Fortsetzung der alten romantischen Richtung. Diese Schule, die man gewöhnlich die volksthümliche nennt, ehrt als ihren Begründer Andreas Dngonics (1740—1818). Um Dngonics scharten sich Gras Josef Gvadänyi, Adam Pälöczi-Horväth, bis zu gewissem Grade auch Franz Verseghy, Johann Földi und Michael Fazekas. Dugonics bearbeitete zu Beginn seiner Laufbahn
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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