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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 286 -
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286 und Verfeinerung der ungarischen Sprache, die Verbreitung der Bildung, kurz die Pflege, Entwicklung und blühende Entfaltung der Nationalität und alles dessen, was mit ihr zusammenhängt. Der Erreichung des gemeinsamen Ziels dienen alle diese verschiedenen Strömungen, die einander unterstützen, den brausenden Aufschwung von 1790 bis 1791 vorbereiten und den größten Agitator der Literatur, Franz Kazinczy mit sich reißen auf den Kampfplatz. Um jedoch das halbe Jahrhundert von Kazinczy's Schriftstellerlaufbahn, deren erfolgreichster Abschnitt in die ersten zwanzig Jahre unseres Jahrhunderts fällt, im Zusammenhange behandeln zu können, müssen wir zuerst von den drei hervorragendsten Dichtern dieser Epoche sprechen, die in Wahrheit keiner der erwähnten Dichterschulen angehören, obwohl sie manche Eigenschaften mit der classischen oder der volksthümlichen oder der deutschen Richtung gemein haben. Zu Ende des vorigen und zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts waren Josef Kärmän, Michael Esokonai und Alexander Kis fa ludy die ausgezeichnetsten und wirksamsten ungarischen Schriftsteller. Josef Kärmän (1769 bis 1795) hing treu am Geiste der magyarischen Sprache und suchte, jedem fremden Einfluß abhold, auf rein nationaler Grundlage zu charakteristischem Ausdruck, zu einfachem aber klaren Vortrag zu gelangen, sich eine wohl abgewogene Prosa zu bilden und so die Richtung zu weisen, welche am ehesten zur erfolgreichen Ausbildung der poetischen Sprache führen konnte. Er forderte die Schaffung eines literarischen Mittelpunktes nnd war der Erste, der Pest zum Centrum des ungarischen Schriftthums machen wollte. Zu diesem Behufe gründete er 1794 den Eirkel „Urania" und die gleich- namige Vierteljahrsschrift, in der er feine Ideen mittheilte. Er wollte die Schriftsteller wie das Publicum für seine Richtung gewinnen, doch wurden seine Bestrebungen unter dem Joche der stetig wachsenden Reaction zunichte. Ein kleiner Roman: „Fanny's hinterlassene Schriften" (kanni ku^oinälixai) gibt seinem Namen Dauer. Kärmän schildert in diesem Roman die Liebessehnsucht eines unglücklichen Mädchens mit so sicherem psychologischen Takt, so verfeinertein Geschmack und so lebhaften Farben, er beschreibt die ausschließliche und unbedingte Macht der Liebe mit so tiefer Kenntniß der rührenden Empfindungen eines weiblichen Herzens, daß die ungarische Literatur bis dahin nichts Ähnliches aufzuweisen hatte. Viele glaubten, nur ein Weib habe diese ergreifende Schilderung entwerfen können, und dies ist das größte Lob für die Seelenkenntniß Kärmäus und für seine dichterische Gestaltung der Leidenschaft als entscheidender Macht. Er war — und dies ist kein geringes Verdienst — der erste ungarische Schriftsteller, der die Bilder der Natur mit echter Kunst in die malerische Darstellung der Empfindungen verwob. Kärmän ist ein strenger Kritiker der Zurückgebliebenheit und der nationalen Fehler, über die er einen Versuch: „Die Verfeinerung unserer Nation" (Xem^etünlc csmosoääZa)
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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