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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 288 -
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288 sich sein Gemüth doch nicht, sondern blieb — seine Liebeszncknngen ausgenommen — heiter im Vertrauen auf seine Zukunft und die Theilnahme seiner Nation. Aber sein Schicksal blieb bis aus Ende tanb für sein Flehen und erfüllte nicht einmal seine aller- bescheidensten Hoffnungen. Seiner dichterischen Begabung jedoch hat die Zeit Gerechtigkeit widerfahren lassen und die jetzige öffentliche Meinung in literarischen Dingen hält Csokonai als Lyriker, und vollends als Epiker, für eine der glänzendsten Gestalten der ungarischen Dichtung. Csokonai schrieb Oden, Elegien und Lieder, die eine große dichterische Kraft und edle Empfindung athmen. Er begeistert sich für die Cultur der Menschheit und insbesondere seiner Nation, und das bürgerliche Verdienst hat an ihm stets den wärmsten Fürsprecher. Er schaudert vor den Greueln der französischen Revolution, seine milde Seele sehnt sich nach dem Ölzweige des Friedens. Seine Liebesoden, an Juliane Vajda gerichtet, die er in seinen Gedichten Lilla nennt, ferner seine volksthümlichen Lieder sind voll Frische, Gesundheit und Phantasie. Seine Sprache ist leicht und natürlich, aller Gesuchtheit und Künstelei fern, mitunter allerdings etwas bäuerisch, wofür er zu seiner Zeit ungerecht beurtheilt wurde. Seine gute Laune kennt oft keine Schranken, seinen Schmerz aber weiß er stets zu mäßigen. Er ist sanft und schwermüthig, gefühlvoll und zart. Csokonai hat den Stoff, der dichterischen Gestaltung und der Sprache nach, das volksthümliche Element und die volksthümlichen Versformen auf die höchste Stufe erhoben. „Dorothea . oder der Damen Triumph im Fasching" (DoroUva a ckämak diaäala a, karsanZorl) ist als komisches Epos ein so vorzüglich durchgeführtes Werk, daß die ungarische Literatur ihm kaum etwas au die Seite zu stellen hat. Die Hauptidee ist, daß die Männer nicht heiraten mögen, während die Weiber um jeden Preis unter die Haube kommen wollen, schlimmsten Falles durch rächende Eroberung; schließlich stellt die Liebe das natürliche Verhältniß der beiden Geschlechter her. Eigentlich erzählt Csokonai eine Fastnachtsunterhaltung im Somogyer Comitate, wobei Dorothea, eine alte Jungfer, mit ihren Genossinnen gegen die Männer, die ihnen den Jungfernkranz gelassen haben, und gegen Prinz Carneval zu Felde zieht. Die komische Ader dieses lustigen Epos ist unerschöpflich, einige seiner Figuren sind zum sprechen lebendig gezeichnet. Csokonai „läßt selbst in den absonderlichsten Situationen die seltene Kunst der dichterischen Vorspiegelung glänzen." Die Gestalt der Dorothea ist mit ganz besonderer Virtuosität geschaffen. Die Pinselstriche des Dichters sind oft grob, aber immer treffend, ja präcis; seine Bilder und Vergleiche sind charakteristisch und beinahe bis zur Grausamkeit höhnisch. Csokouais bewußte Schaffenskraft steigert die komische Stimmung selbst in den geringsten Einzelheiten immerfort, mit sichtlicher Passion malt er das stumme Spiel der Leidenschaften aus und folgt dem Grimm der Mädchen, insbesondere Dorotheas, von
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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