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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 293 -
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293 er eben nur ein paar Versuche von geringem Werthe aus der literarischen Laufbahn gemacht, beginnt er bereits einzusehen, worin das Heil der nationalen Literatur liege: die literarischen Meisterwerke der alten classischen Völker, sowie der Franzosen, Italiener, Engländer und Deutschen seien in das Magyarische zu verpflanzen, damit der gebildete Ungar sich so auszudrücken vermöge, wie der gebildete Franzose. Er sah ein, daß die Sprache gehobelt werden müsse, bis sie fähig werde die Schattirnngen des feineren Empfindens wiederzugeben, daß es geboten sei, die Redeformeln des fremden gebildeten Sprechverkehrs einzubürgern, um der Nation nach und nach auch die Ideen und Begriffe des Auslandes zu vermitteln. Durch die Übersetzung von Geßners Idyllen erringt er, noch während sie Handschrift ist, literarisches Ansehen. Die Übersetzung wurde von den damaligen ungarischen Schriftstellern einstimmig als die vorzüglichste ungarische Über- setzung anerkannt; Bäröczi, bis dahiu der Meister des ungarischen Stils, begrüßt in Kazinczy nicht nur den Schriftsteller, sondern auch den kühnen Nenbeginner und bittet ihn, ein weckendes Beispiel für die eingerostete ungarische Jugend, ein zweiter Prometheus zu sein. Kurz nachher (1789) erscheint sein Werther-Roman: der an Stilgefühl und ästhetischem Geschmack unvergleichlich ist. Gleichzeitig zog er alle ungarischen Schriftsteller heran, um die Fragen des Versmaßes und der Rechtschreibung zu erörtern. Damit aber konnte er sich nicht begnügen. Um den Eifer der Schriftsteller nach Möglich- keit anzuspornen, wandte er sich an das große Publikum; er gründete zunächst, mit einigen Genossen, das „Ungarische Museum" (UsZxar dann auf eigene Faust den „Orpheus" und trachtete, sie überall im Lande zu verbreiten, wo man Antheil nahm an der heiligen Sache der Nationalität. Als der Reichstag von 1790—91 eröffnet wurde und die Flamme des nationalen Bewußtseins wie auf einen Zauberschlag emporstieg, konnte Kazinczy den Triumph nicht nur der Literatur, sondern auch seiner eigenen Agitation feiern. Mittlerweile arbeitete er unausgesetzt weiter. Er übersetzte Goethe, Wieland, Klopstock, Herder, Weber, Lessing, Ionng und Moli'ere, Anakreon und Horaz und die deutschen Bearbeitungen Shakespeares; er schrieb Original-Lieder und -Oden; er stand im Briefwechsel mit fast allen Schriftstellern des Landes, ja auch mit ausländischen; er gab die Werke Anderer auf seine Kosten heraus oder verschaffte ihnen Verleger. Mitten in dieser großen Thätigkeit wurde er dem Kreise seiner Familie entrissen (1794), weil er sich den Katechismus des Martinovics abgeschrieben hatte, und kehrte erst nach sechseinhalbjähriger Gefangenschaft, an geistiger und materieller Kraft gebrochen, zu der trauernden Mutter zurück. Aus der Gefangenschaft befreit, ergreift er wieder die Fahne des Reformators und hält sie hoch, noch drei Jahrzehnte lang, bis ihm endlich eine neue, auf seiner Spur erstandene Richtung die Ansührerschaft der ungarischen Cultur aus der Hand nimmt. Von
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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