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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 297 -
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297 bis 1861), der Redacteur der Zeitschrift: „Leben und Literatur" (»Nst. es I^iteratura"), erkannte das Auftauchen der neuen literarischen Richtungen als verschiedene Stadien der Entwicklung und wirkte ein halbes Jahrhundert laug mit vier Schriftsteller-Generationen um die Wette. Von Andreas Fäy angefangen bis zu den ersten jetzt lebenden Schrift- stellern führte er viele junge Talente der literarischen Lausbahn zu; viele, die der Nation zum Ruhme gereichen, danken ihm Ansporn und Begeisterung. Schon in jungen Jahren war er einer der gelehrtesten Philologen der Literatur. Seine erste Flugschrift dämmte das überhandnehmende Orthologeuthum zurück und seine Sonette machten ihn in den Augen derjenigen, die sich zur deutschen Richtung bekannten, zu einem der ersten ungarischen Dichter. In diesen Gedichten zeigt sich am besten sein lebendiges Formgefühl und sein feiner Geschmack. Von ihm rührt auch die erste wirklich künstlerische Übersetzung auf dramatischem Gebiete her: Körners „Zrinyi", der ihm die größte Anerkennung in der Literatur wie bei dem Publikum gewann. In seinen oft absonderlichen, aber stets geist- vollen ästhetischen Arbeiten häufte er philosophische Analyse und Grammatik, Poesie und Kritik, ernste Speculation und heitere Einfälle in einer Weise, wie dies nur einem so eigenartigen Genie möglich war. Seine Wirkung auf die Allgemeinheit kam derjenigen Kazinczys nahe, obgleich er keineswegs das Ansehen des Meisters von Szephalom genoß. Mit ihm zugleich schloß sich der Kaziuczyscheu Richtung Franz Kölesey (1790 bis 1838) an, der in den literarischen und politischen Kämpfen dieses Jahrhunderts als Dichter, Kritiker und Redner auf gleich hoher Stufe steht. Seine philosophischen, geschichtlichen, literarischen und philologischen Studien ließen ihm nur die Mußestunden für die Dichtung frei, in deren lyrischer Gattung er die Nation mit einigen echten Meister- werken beschenkt hat. Die Quellen seiner Poesie waren die melancholischen Empfindungen, die Aufwallungen einer in sich verschlossenen Seele, früherstandene und rasch verflogene Hoffnungen, Täuschung und Schwärmerei, besonders aber die Vaterlandsliebe. Sein tiefes patriotisches Leid, die Klage um die Heimat stellen ihn an die Seite von Alexander Kisfalndy und Berzsenyi, nur klingen sie bei ihm noch düsterer und verzweifelter: „In seinem patriotischen Schmerze" — schreibt Gynlai — „ist etwas Heiliges, die Heiligkeit des Tragischen, der Ton des Chors in der griechischen Tragödie, wie er über dem Helden zu erklingen pflegt, der den Streichen der Nemesis erliegt." Seine Gedichte: „Zrinyis erster Gesang", „Zrinyis zweiter Gesang", „Die Nymphe des Räkos" und besonders sein „Hymnns", der zum Nationallied geworden, weinen um die große Vergangenheit und beklagen die Hoffnungslosigkeit der Gegenwart; das Bild seiner Heimat erscheint ihm düster, wie Rom dem träumenden Cäsar, und er fühlt, daß er auf den Trümmern des Vaterlandes vernichtet hinsinken würde; dann wieder fleht er Segen herab auf sein Volk, das bereits gebüßt habe für Vergangenheit und Zukunft. Die Betrachtung versinkt bei seiner
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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