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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (3), Band 12
Seite - 302 -
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302 nachhaltiger auf das Publikum zu wirken, da die „Aurora" das erste ungarische Taschen- buch war, in dem man den Hauch der Neuzeit fühlte und das auch mit äußerer Eleganz auftrat. In der „Aurora" erschienen die besten Arbeiten der besten Schriftsteller: Epen, Dramen, poetische Erzählungen, Novellen, Balladen und Romanzen. Noch merkt man den Mitgliedern dieses Kreises den Einfluß der deutschen Dichtung deutlich au, am meisten Kis- saludy und Bajza, am wenigsten Vörösmarty; aber die Stoffe, die sie behandelten, waren vaterländische nnd sie waren die Ersten, denen die ungarische Geschichte und Sage reicheren Stoff bot. Von großer und heilsamer Wirkung auf sie alle war Stesau Horvät , von dem die ungarischen Schriftsteller nationales Selbstgefühl und starken Patriotismus lernten. Karl Kissaludy schrieb zahlreiche Schauspiele und Lustspiele; unter den ernsten Stücken sind die hervorragendsten: „Wojwod Stibor", „Irene" und „Csäk", unter den heiteren: „Die Brautwerber", „Täuschungen" und „Die Mädchenhüter". Außerdem schrieb er heitere Erzählungen („Jonas Tollagi", „Simon Sulyosdi"), lyrische Gedichte, kleinere poetische Erzählungen und balladeuartige Dichtungen. Er schlug mancherlei Töne an, wohl am tiefsten wirkte aber jene schwermüthige Klage, die uns in seiner Elegie: „Mohäcs" bewegt, wenn sie die Trauer um den Ruhm der Vorfahren durch die Hoffnung auf bessere Zeiten vergessen zu machen sucht. Auch mit dem Volkslied machte er Versuche und da äußert sich die Verdüsterung oder scherzhafte Laune seines Gemüths wohl in naivem Tone, aber in nicht recht volksmäßiger Sprache. Seine schriftstellerischen Verdienste knüpfen sich, abgesehen von der allgemeinen Wirkung, die er ausübte, hauptsächlich an seine Dramen. Die ungarischen Schaubühne« hatten bis zum Austreten Karl Kisfalndys zumeist die schwachen Übersetzungen und Bearbeitungen der sentimentalen deutschen Stücke gegeben, oder auch Dramen, in denen irgend ein großer Name, nicht etwa auch die dazu gehörige Gestalt der altungarischen Geschichte die Hauptrolle spielte. Die Verfasser der Stücke fügten die nationalen Stoffe in den Rahmen einer bereits fertigen fremden Fabel ein, gaben den fremden Helden ungarische Namen und verlegten die Handlung auf ungarischen Boden, doch genügte weder ihre Erfindung, noch ihr technischer Sinn. In diesem Zustande fand Karl Kisfaludy das ungarische Drama. Auch er fröhute anfangs dem Modegeschmack, ließ es sich aber später besonders angelegen sein, diesen herrschenden Geschmack zu veredeln und die rohe Sprache der Bühne durch eine feinere, die der gebildeten Conversation, völlig zu ver- drängen. Von seinen Dramen sind die früheren zwar größtentheils nur Geschichtsbilder, in denen die patriotische Selbstaufopferung, die Heiligkeit des gegebenen Wortes, der Heldensinn und die Großmuth des Ungarn gepriesen werden; allein sie konnten ihre Wirkung auf das Publiknm nicht verfehlen, weil sie das gesellschaftliche Leben Ungarns recht treffend zeichneten, in gutem Ungarisch geschrieben waren und selbständige Erfindung
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (3), Band 12
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (3)
Band
12
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.49 x 21.91 cm
Seiten
626
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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