Seite - 144 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Tirol und Vorarlberg, Band 13

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144 freie Herren oder Ministerialengeschlechter weiter verliehen. Die Bischöfe von Trient belehnten das thatkräftige Geschlecht der Tiroler Grafen mit der Grafschaft Vintschgan und einem Theil der Grafschaft Bozen, die nach der Burg Hocheppan sich nennenden Grafen von Eppan mit Theilen der gleichnamigen Grafschaft, die aus der Markgrafschaft Trient gebildet wurde, die Grafen von Flavon mit Theilen des Nonsberges, die Frei- herrn von Wanga mit Theilen der Grafschaft Bozen, die Herren von Arco, Lodron und Castelbareo mit Gerichtsbezirken der Markgrafschaft Trient. Die Bischöfe von Brixen verliehen wohl noch im XI. Jahrhundert die Grafschaften im Inn- und Eifackthal (des Norithals) den Grafen von Tirol und später (1165) die erstere, sowie die Grafschaft Pusterthal sammt der Vogtei über ihr Stift den Grafen, dann Markgrafen und Herzogen von Andechs (Meran), die Gegend um Brixen und den westlichstenTheil des Pusterthals hingegen an mächtige Ministerialengeschlechter, selbst ihren ehemaligen Sitz, die Beste Säben, den sie um das Jahr 1000 mit dem zu Brixen vertauscht hatten, dem darnach benannten Burggrafengeschlecht. So entstand seit dem XI. Jahrhundert ein reicher Adel, der einen großen Theil des Grundbesitzes im Lande erwarb, während der meiste übrige theils schon in die Hände der Bischöfe von Brixen, Trient, Chur, Regensburg und anderer auswärtiger Stifte und Klöster gerathen war oder jetzt gerieth, theils an die im XI. und XII. Jahrhundert gegründeten inländischen Klöster fiel. Dadurch schwand der Stand der kleinen freien Grundbesitzer (Freibauern) sehr zusammen, die meisten wurden persönlich oder dinglich von geistlichen oder weltlichen Herren abhängig und diese hatten fast allen Besitz. Die große Umwälzung auf volkswirthfchaftlichem Gebiete war aber auch mit einer nicht minder einschneidenden auf politischem Gebiet verbunden. Denn durch Verleihung von Theilen der Grafschaften, von Centen (Hundertschaften) an einzelne Herrengeschlechter und durch Gewährung der Immunität für umfangreiche kirchliche Besitzungen löste sich die Gan- graffchafts- und Centverfassung vollständig auf, und die Gaue, Grafschaften und Centen zerfielen in eine Menge kleinerer Bezirke, die nach ihrem Umfang und ihren Rechten sehr verschieden waren, aber im Allgemeinen doch an die frühere Gliederung enge sich anschlössen. Innerhalb derselben entstanden min zahlreiche Burgen als Wohnsitze der Herren und der von ihnen abhängigen Ministerialen und anderen Rittergeschlechter, die aus den zahlreichen Unfreien infolge des Reiterdienstes sich als neuer Adel erhoben hatten. Der Großgrund- besitz, besonders der kirchliche, wurde in der Folge aber auch der Ausgangspunkt für die Erhebung der bäuerlichen Bevölkerung, der weiteren Cnltivirnng und der Germanisiruug des Landes; denn die geistlichen Großgrundbesitzer und wohl auch einzelne weltliche Herren, besonders mächtigere wie die Grafen von Tirol, zogen zahlreiche deutsche Ansiedler ins Land, ließen große Wälder ausroden und andere bisher unfruchtbare Strecken nrbar
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Tirol und Vorarlberg, Band 13
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Tirol und Vorarlberg
Band
13
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1893
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.12 x 23.1 cm
Seiten
624
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch