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bei einigermaßen günstigen Bodenverhältnissen eine dichte Grasnarbe, und dies macht dem
bäuerlichen Besitzer diese Holzart um so werthvollcr. Aus dem gleichen Gründe bildet
auch die Lärche fast ausschließlich die Bestockuug der sogenannten Bergwiesen, welche als
nicht zum Waldlande gerechnet in manchen Thälern, wie zum Beispiel im Nousthal,
einen nicht unbedeutenden Beitrag zur Holzproduction liefern, zumal solche Bergwiesen als
ein wohl behütetes Privateigenthum nicht selten besser bestockt sind als der nebenanstoßende
übermäßig ausgenützte Gemeindewald. Neben der Lärche theilt sich in diesem Gebiete
hauptsächlich die wegen ihres Holzes und ihrer Fruchte beliebte Zirbe in die Aufgabe,
die Bestockung der obersten Thalstufen und der höchsten Waldregion zu bilden. Wenn auch
in manchen Gebieten, wie zum Beispiel im Grödnerthal, durch übermäßige Nutzung
bereits stark zurückgedrängt, bildet dieselbe doch in einzelnen Thälern der Centralalpen, wie
zum Beispiel im Otzthal, im Kannser- und Pfnndererthal, im Snlden- uud Martellthal
noch einen ansehnlichen Theil der Bestockung; sie trügt hier mit ihrer — im Gegensatz zur
Lärche — gedrungenen Form und der dichten, blaugrau augehauchten Benadlnng wesentlich
dazu bei, das sonst leicht einförmig wirkende Bild des reinen Nadelholzwaldes zu beleben.
Sehr dankenswerth sind die Bestrebungen der Staatsforstverwaltung und der politischen
Forstorgane, die Erhaltung und weitere Verbreitung dieser werthvollen Holzart durch
Anpflanzungen zu sichern, zu welchem Zwecke eigene Zirben-Pflanzgärten an mehreren
Orten angelegt worden sind.
Die vorwiegend den Kalkbergen angehörige Legföhre fehlt in vielen Thälern des
Urgebirgsbodens in den Centralalpen ganz und hat im Ganzen hier nur geringe Verbreitung;
an ihre Stelle tritt iu brüchigen steilen Hochlagen zumeist die Grün- oder Alpenerle mit
ihren undurchdringlich dichten Beständen. Außer dieser und der in den Thalsohlen ange-
siedelten Weißerle sind Laubhölzer in diesem ganzen Gebiete selten. Wohl findet sich die
Birke, die ja wie die Kiefer unter den Nadelhölzern überall ihr Heim hat und mit dem
schlechtesten Standorte vorliebnimmt, in den durch Streu- und Weidenutzung herab-
gekommenen, meist zunächst den Ortschaften gelegenen Berglehnen, wo sie im Verein mit
einzelnen verbissenen Nadelholz-Jnngwüchsen einen sehr lichten und kümmerlichen Bestand
bildet, der jedoch kaum mehr auf die Bezeichnung als „Wald" Anspruch erheben kann.
Umsomehr verdienen jene einzelnen Laubholzgruppen oder auch kleinere Bestände von
oft prächtigen Bergahornstämmen, von Eschen oder auch Linden (wie zum Beispiel bei
Habichen im Otzthal) und anderen Laubhölzern als besondere und hier seltene Zierden
der Landschaft die möglichste Schonung.
Abwechslungsreicher und freundlicher als das eben geschilderte ist das Waldbild
in dem Gebiete der nördlichen Kalkalpen durch die hier häufige Beimengung von Laub-
hölzern, insbesondere der Buche, welche hier fast allenthalben meist eingesprengt in den
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Tirol und Vorarlberg, Band 13"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Tirol und Vorarlberg, Band 13
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Tirol und Vorarlberg
- Band
- 13
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.12 x 23.1 cm
- Seiten
- 624
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch