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Absatz profitirt, wenn man endlich noch den Umstand in Betracht zieht, daß für den
Geschäftsmann auf dem Lande die Einnahmen aus der Beherbergung der Fremden und
aus der Lohnkutscherei in der Regel ein Nebeneinkommen bilden, weil diese Leistungen
von den zum gewöhnlichen Geschäftsbetrieb nöthigen Dienstboten und Pferden besorgt
werden, dann wird man erst die volkswirthschaftliche Bedeutung des Ertrages aus dem
Fremdenwesen gebührend zu würdigen verstehen.
Obschon der Cnrort Meran bereits seit langer Zeit einen Weltruf hat, obschon
die Südbahn durch Erbauung des Hotels Toblach am Felsenthor zu den Dolomiten
und einzelne Gasthofbesitzer, wie Hanns Heiß in Brixen, Steger in Mühlbach, Gröbner
in Goffensaß und Andere, durch zweckmäßige Adaptiruugen und gute Verpflegung der
Fremden einzelne Sommerstationen geschaffen haben, welche bald von Fremden gefüllt
waren, so dauerte es doch noch eine geraume Zeit, bis die außerordentliche Bedeutung des
Fremdenwesens für unser Alpenland allgemein erfaßt und erkannt wurde, welch reiche
und noch nnbehobene Schätze unsere Berge und Thäler in dieser Richtung bergen. Erst
seit wenigen Jahren ist man bemüht, diese wichtige volkswirthschaftliche Angelegenheit in
organisatorischer Weise nach Mustern, wie sie in der Schweiz vorliegen, durch Gründung
von Vereinen und eines gemeinsamen Verbandes zu fördern, wodurch einerseits die nöthige
publizistische Beihilfe im Ausland besorgt, anderseits die Bevölkerung über die noth-
wendigen Einrichtungen zu dauernder Anziehung der Fremden belehrt werden kann. Wenn
Landesvertretung und Regierung sich, wie es wohl ihre Pflicht ist, der Sache annehmen,
so wird sehr bald das Land Tirol mit der Schweiz nicht blos an Schönheit, Mannig-
faltigkeit und Großartigkeit seiner Alpennatur, sondern auch in seinen Einnahmen aus
dem Fremdenwesen rivalisiren. In zweierlei Richtung ist aber die Schweiz als Fremden-
verkehrsgebiet dem Lande Tirol und den österreichischen Alpenländern überhaupt weit
vorausgeeilt, in den Unterkuufts- und den Communicationsverhältnisfen. In erster
Richtuug muß sich die Selbsthilfe der an dieser Industrie betheiligten Bevölkerungskreise
bethätigen, die Verbesserung der Commuuicatiousverhältnisse aber kann nur unter Mit-
wirkung und mit kräftiger Unterstützung der Regierung und der Landesvertretungen
geschehen. Die von der Regierung veranlaßte Ertragsstatistik über das Fremdenwesen
ergab für 1890 die Summe von 9 Millionen Gulden; das deutsche Südtirol allein hatte
eine Einnahme von 4Vs Millionen, somit das Doppelte von 1880 erzielt.
Vorarlberg ist im Gegensatz zu Tirol ein eigentliches Industrieland und zählte
im Jahre 1885 6.220 selbständige Jndustrialgewerbe. Am hervorragendsten ist die Textil-
industrie mit 2.821 selbständigen Jndustrialgewerben — nur Niederösterreich zählt noch
mehr solche Gewerbe — vertreten, und in dieser sind es wieder die Baumwollindustrie
und die Stickerei-Industrie, welche dem Lande zu dem Wohlstand verholfen haben, dessen
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Buch Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Tirol und Vorarlberg, Band 13"
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Tirol und Vorarlberg, Band 13
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Tirol und Vorarlberg
- Band
- 13
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1893
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.12 x 23.1 cm
- Seiten
- 624
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch