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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 267 -
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267 in Prag verkündet wurde, erklärte Hus in öffentlicher Disputation, daß Ablaß nie gegen Geld verliehen werden dürfe, sowie daß der Papst überhaupt nicht Ablaß ertheilen könne, sondern nur Gott allein; die Ablaßbulle wurde durch einen Günstling König Wenzels öffentlich verbrannt. Hus, der Ende 1412 das mit dem Jnterdict belegte Prag verlassen mußte, verbreitete hierauf die Lehren Wicliffs durch Abfassung von Streitschriften in lateinischer und cechischer Sprache, die sich zumeist als Auszüge aus den zahlreichen Werken Wicliffs darstellen. Wie letzterer erklärte Hus die Bibel als alleinige Glaubens- quelle, leugnete den Primat des Papstes, den Unterschied zwischen der bischöflichen und priesterlichen Gewalt, die Nothwendigkeit der Ohrenbeichte, befürwortete die Wegnahme weltlicher Güter der Kirchen im Falle ihres Mißbrauches durch die Priester und behauptete, daß man einem Prälaten oder weltlichen Herrn, der in Todsünden lebe, nicht zu gehorchen brauche. Vom römischen König Siegmund, dem Nachfolger des im Mai 1410 ver- storbenen Königs Ruprecht, ließ sich Hus bewegen, im October 1414 sich zu dem behufs Beilegung der Kirchenspaltung von Johann XXIII. nach Constanz einberufenen Concil zu begeben, um sich wegen des Vorwurfes der Ketzerei zu rechtfertigen. Hier wurde er auf Betreiben einiger ihm feindlichen cechischen Collegen von der Prager Universität, die gleichfalls nach Constanz gekommen waren, mit Verletzung des ihm von Siegmund ertheilten Geleitsbriefs zuerst im Kloster der Predigermönche, dann im bischöflichen Schlosse Gottlieben eingekerkert. Im öffentlichen Verhör erklärte er, sich nicht bewußt zu sein, daß er einen Irrthum gelehrt habe, und nur dann widerrufen zu wollen, wenn man ihn durch Stellen aus der Schrift und den ältesten Kirchenvätern widerlege, worauf ihn das Concil als hartnäckigen Ketzer dem Feuertod überlieferte (6. Juli 1415). Auf Betreiben der erwähnten cechischen Magister ward auch dem Freunde des Hus, Hieronymus von Prag, der Proceß gemacht und derselbe am 30. Mai 1416 verbrannt. Die Nachricht vom Feuertod des Hus erregte in Böhmen sowohl beim gemeinen Volke als beim Adel ungeheuere Erbitterung. Man vertrieb die katholischen Priester und ersetzte sie durch husitische und der Adel nahm den Prälaten ihre Güter weg. Im September 1415 fand eine Versammlung von 69 böhmischen und mährischen Herren in Prag statt, welche ein leidenschaftliches Schreiben an das Concil richtete, worin dasselbe beschuldigt ward, Hus ungerecht verurtheilt zu haben; an dieses Schreiben hingen 452 Adelige zum Zeichen ihrer Zustimmung ihre Siegel an. Die Mitglieder der Prager Adelsversammlung verpflichteten sich ferner, der Gewalt des Papstes und der Bischöfe nur dann Folge zu leisten, wenn sie der heiligen Schrift gemäß verfahren würden, sonst aber sich ail die Aussprüche der Prager Universität zu halten. Gegen diesen husitischeu Herrenbund bildete sich alsbald ein katholischer, dem aber nur 14 Herren angehörten. Da König Wenzel sich gleichgiltig verhielt, so blieb die Citation der 452 Adeligen wegen Verdachtes
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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