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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 270 -
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270 Krone verlustig und bildete aus Vertretern der Herren, Ritter, Städte uud der radicalen Husiten oder „Tabori ten" eine provisorische Regierung von 20 Männern, unter denen Cenek von Wartenburg und Zizka sich befanden. Der gleich darauf von der Prager Synode unternommene Versuch einer religiösen Einigung der verschiedenen hnsitischen Parteien scheiterte. Die Kluft zwischen den „Taboriten" (so genannt nach ihrem Versammlungsorte Tabor, wo sie die Stadt gleichen Namens gründeten) uud den sich von den Katholiken wenig unterscheidenden Calixtinern (so genannt vom Gebrauch des Kelches beim Abend- mahl) war eben zu groß, weil sie nicht blos eine religiöse, sondern auch eine politisch- sociale war. Die Taboriten, aus armen Rittern, Handwerkern und Bauern, sowie einigen unterworfenen Städten Südböhmens bestehend, neigten zum Communismus, waren Feinde obrigkeitlicher Gewalt überhaupt und verwarfen fast alle Glaubenslehren, die in der Bibel keine Begründung hatten, während die Calixtiner, zu denen die Prager, die von ihnen unterworfenen Städte Mittel- und Nordböhmens und der größte Theil des Herrenstandes gehörten und die an der Universität ihren Mittelpunkt hatten, mit Weg- nahme der weltlichen Güter der Geistlichen sowie mit Ausschluß der Deutscheu vou allen Ämtern sich begnügten und sonst nur auf Reichung des Abendmahls uuter beiderlei Gestalt Gewicht legten, weßhalb sie auch ganz besonders „Utraqnisten" hießen. Als jedoch im September die rheinischen Kurfürsten mit einem zahlreichen Heere in Böhmen einfielen und Saaz belagerten, nöthigten die vereinten Streitkräfte aller hnsitischen Parteien unter des nunmehr ganz erblindeten Zizka Führung dasselbe zum Rückzug. Ebenso endete ein zweiter Feldzug, den Siegmund unternahm, mit schimpflicher Flucht seines Heeres in der Schlacht bei Deutschbrod (8. Januar 1422). Nach diesen Erfolgen trat die Kluft zwischen den Taboriten und den gemäßigteren Utraqnisten ärger denn je hervor. Am 9. März wurde der Exmöuch Johann von Selan, der in Prag den Herrn spielte, mit zwölf seiner Anhänger vom gemäßigt utraquistischeu Stadtrath enthauptet, wofür die Taboriten blutige Rache nahmen. In den Jahren 1423 und 1424 kam es zu den heftigsten Kämpfen zwischen Zizka und den gemäßigten Utraquisteu, welche mit der Partei Siegmnnds Unterhandlungen angeknüpft hatten, aber von Zizka in der Schlacht bei Malesow geschlagen wurden (7. Juui 1424); am 11. October starb Zizka vor der Burg Pribislav. Zizka hat seine Kriege hauptsächlich mit Fußvolk und Artillerie geführt und beson- dere Umsicht in Verwendung der sogenannten „Wagenburgen" zu einem vorzüglichen Vertheidigungsmittel entwickelt, worunter zu einem Viereck zusammengefahrene, durch Ketten verbundene und mit Geschützen bewehrte Kriegswagen zu verstehen sind. Das Geheimniß seiner Erfolge bestand aber weniger in dieser auf die Wagenburgen uud das Geschützwesen, sowie auf die geschickte Ausnützung des Terrains gegründeten Taktik, sondern vielmehr in dem religiösen und nationalen Fanatismus, in welchen: er die großen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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