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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 280 -
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280 mit offenbarer Absicht beider Parteien in der Weise abgefaßt wurde, daß sowohl die katholischen Bischöfe Ungarns, welche dieselbe annahmen, als auch der hnsitische König Georg, der darnach den Eid leistete, dieselbe je nach Bedürfniß interpretiren konnten. Bald nach der Krönung erfolgte auch seine Anerkennung seitens des Kaisers Friedrich III., welcher Georg in Brünn das böhmische Lehen sammt der kurfürstlichen Würde nach althergebrachtem Brauche ertheilte; sogar der neugewählte Papst Pius II. (Aeneas Sylvins) lebte anfangs mit Georg in gutem Einvernehmen und ermahnte die Schlesier, jeden Widerstand gegen ihn aufzugeben. Bei Schlichtung internationaler Streitigkeiten wurde Georgs Wort immer mehr maßgebend und bei den zerfahrenen Verhältnissen des deutschen Reiches häufig fast entscheidend. Um den innern Zustand des Königreiches Böhmen erwarb sich König Georg in der ersten ruhigen Periode seiner Regierung unbestreitbare Verdienste in dem Maße, daß er schon von seinen Zeitgenossen als der erste Förderer des Vaterlandes nach Karl IV. gepriesen wurde. Bei einer vollständigen Rechtssicherheit, welche durch die Wiedererstarkung der Autorität der Gerichte und öffentlichen Organe bewirkt wurde, prosperirteu Handel und Gewerbe, wissenschaftliche und künstlerische Bestrebungen kamen wieder in Aufnahme und die Prager Universität, seit den hnsitischen Wirren in argem Verfall, erhob sich wieder zu neuem Leben. König Georg stützte sich bei seinen Regierungsmaßregeln hauptsächlich auf den Ritter- und Bürgerstand, während er gegenüber dem Herrenstand wohl mit der größte» Behutsamkeit und Gerechtigkeit verfuhr, aber weitere Schmälerungen der königlichen Macht, wozu die Häupter der hohen Adelsgeschlechter nicht übel Lust hatten, ganz und gar nicht zu dulden gedachte. Georg stand auf dem damals allgemein anerkannten Standpunkt, daß auf der Förderung und Erstarknng der Herrschermacht gegenüber oligarchischen Gelüsten die oberste Bürgschaft eiuer gedeihlichen Staatsentwicklnug beruhe. Vou großem Werth war für Georg bei seinen Reformbestrebungen der Umstand, daß er in Sachen der Religion mit der großen Mehrheit des Volkes eins war. Dieser Stütze sich zu eutäußeru fiel dem König sehr schwer, obzwar er für seine Person sich vielleicht nicht geweigert hätte, dem Utraqnismns zu entsagen. Aber hätte er es gethan, so wäre der Haltpuukt geschwunden, auf dem seine Macht beruhte, und anderseits hätte er doch nicht dasjenige erreicht, was die römische Curie anstrebte: nämlich die bedingungslose Hingabe des ganzen Volkes unter die Botmäßigkeit des päpstlichen Stuhls. Dahin hätte weder Georg von Podebrad, noch ein Anderer im XV. Jahrhundert das böhmische Volk gebracht. Georg befolgte in konfessioneller Beziehung genau die Compactaten, hielt fest am Utraquismus, bewies aber zugleich das größte Wohlwollen gegen die unter Einer Gestalt Empfangenden, gegen ihre Kirchen und Einrichtungen und überhaupt gegen Alles, was
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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