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das utraquistische Consistorium und überdies um Erlaubniß einen Ausschuß der Stände,
die sogenannten „Defensoren", einzusetzen, deren Aufgabe es sein sollte, für die Durch-
führung der Beschlüsse des Consistorinms zu sorgen.
Der Kaiser zögerte lange, ehe er diesen Bitten seine Zustimmung gab, ja er ertheilte
den Ständen sogar, allerdings nur zum Schein, um vor seinen katholischen Verbündeten
nicht allzu nachgiebig zu erscheinen, eine ablehnende Antwort. Auch als er sich später
den Ständen günstiger zeigte, weigerte er sich, seine Zugeständnisse schriftlich zu geben.
Mündlich aber erklärte er den Ständen: „Damit ihr sehet, daß ich nicht willens bin,
etwas in euerer Religion umzugestalten, so verspreche ich bei meiner Treue und bekräftige
es mit meinem kaiserlichen Worte, daß ich euch in euerer Religion weder bedrücken, noch
hindern, auch nicht gestatten werde, daß euch irgend Jemand zu nahe trete; ich will dafür
sorgen, daß der König, mein Nachfolger, für die Zukunft euch ebensowenig behindern
kann." Die Ernennung des Consistoriums bewilligte Maximilian II. den Ständen nicht,
wohl aber die Wahl von Defensoren, an welche sich die lutherischen Priester jedesmal
wenden könnten, so oft man ihnen zu uahe treten würde.
Großes hatten damit die Stände erreicht, obwohl bei weitem nicht Alles, was sie
angestrebt hatten; bald darauf starb der von Jugend auf kränkliche Kaiser, nicht ohne
vor seinem Tode noch einige religiöse Anordnungen getroffen zu haben, welche den
Utraquisteu mit den Zugeständnissen des Kaisers auf dem Landtage des Jahres 1575 in
Widerspruch zu stehen schienen.
Mit dem Sohne Maximilians II., Rudolf II., welcher nach seinem Vater die
Regierung Böhmens übernahm, erhielt dieses Land einen Herrscher, der besonders in
wissenschaftlicher und künstlerischer Hinsicht für dasselbe hohe Bedeutung gewann. Mit
wahrer Leidenschaft sammelte dieser Kaiser kostbare Gemälde, Statuen, Juwelen,
Schmucksachen, Mosaiken und dergleichen; aus allen Gegenden strömten deshalb die Kunst-
händler nach Prag und selbst in den Tagen bitterer Finanznoth hatte Rudolf immer uoch
Geld übrig, um seinen Sammeleifer zu befriedigen. So entstand die zu ihrer Zeit mit Recht
berühmte rudolsiuische Kunstkammer, welche freilich schon kurze Zeit nach dem Tode ihres
Stifters in den Stürmen des dreißigjährigen Krieges zum größten Theile wieder zu
Grunde ging. Auch der Kaiser selbst beschäftigte sich gern mit Malerei und Schnitzarbeiten,
seine Geschicklichkeit in diesen Dingen soll nicht unbedeutend gewesen sein.
In wissenschaftlicher Hinsicht gereicht es Rudolfs Regierung zu besonderem Glänze,
daß nach einander zwei Astronomen von so berühmten Namen wie der Däne Tycho
Brahe und der Schwabe Kepler, der Entdecker der nach ihm benannten Weltgesetze, an
seinem Hofe weilten. Noch heute zeigt man in Prag die Stelle, wo sich die Sternwarte der
beiden berühmten Gelehrten befunden hat. Rudolf freilich schätzte an Tycho und Kepler
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Böhmen (1), Band 14
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Böhmen (1)
- Band
- 14
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1894
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.78 x 21.93 cm
- Seiten
- 634
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch