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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 326 -
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326 vermehrt; viele Böhmen hatten auch reiche Stellungen erlangt, denn die tüchtigen Kriegs- kenntnisse, welche sich die Exulanten erworben hatten, bewirkten, daß fast der sechste Theil der schwedischen Oberste der böhmischen Nationalität angehörte. Alle Bemühuugen der schwedischen Unterhändler fruchteten jedoch nichts, und so blieben die Exulanten auch weiter verbauut. Übrigens hätten sie sich in der Heimat mit ihren Anschauungen nicht mehr zurecht gefunden, denn in dem politischen, religiösen und wissenschaftlichen Leben der Einwohner Böhmens war ein vollständiger Umschwung eingetreten. Der Adel, der zumeist der Gnade Ferdinands II. seine Besitzungen oder die Vermehrung derselben dankte, hatte sich ohne Murren der absolutistischen Regierungsweise gefügt uud stand treu zum Kaiserhause, in kirchlicher Beziehung hatte die katholische Gegenreformation vollständig obgesiegt. Durch Begründung zahlreicher neuer Klöster und Kirchen, durch Einführung neuer Orden, durch Vermehrung der Jesuitencollegieu, deren es bis zum Jahre 1618 nur drei gab, am Ende des Krieges aber fünfzehn, uud durch vollständige Umgestaltung des Unterrichts- wesens, das fast ausschließlich den Jesuiten übergeben wurde oder von ihnen abhängig war, deren Einfluß in der Einverleibung der carolinischen Universität in ihre von Ferdinand I. begründete Akademie gipfelte, hatte die katholische Kirche eine vollständige Herrschaft über die Gemüther erlangt. Sie wurde dadurch gesichert, daß von dem alten heimischen Adel nur der katholische Theil im Lande verblieben, der neue, meist ans Italienern, Spaniern und Wallonen bestehend, schon bei der Einwanderung eifrig katholisch war, die Bauern der katholischen Lehre keine tiefe Überzeugung entgegensetzen konnten, die Städte aber, die jedenfalls den nachhaltigsten und am schwersten zu bewältigenden Widerstand entgegen- gesetzt hätten, durch die Strafprocesse nach dem Jahre 1620 und durch die Kriegsleideu zugrunde gerichtet und größtentheils entvölkert waren. Nur Prag hatte noch einige Bedeutung, hier hatten aber die Jesuiten ihre nachdrücklichste Thätigkeit ausgeübt, so daß sich ihnen die stndirende Jugend bei der Vertheidigung der Stadt (1648) enthusiastisch anschloß. Durch die Auswanderung, durch den Umschwung in den Vermögensverhältnissen infolge der Confiscationen, durch die steten Brandschatzungen und sonstigen Kriegsleiden war die Bevölkerung Böhmens, die im Jahre 1618 etwa dritthalb Millionen zählte, bis zum Jahre 1650 auf ungefähr 700.000 gesunken. Wir sind darüber durch eine detaillirte Volkszählung, die in den Fünfziger-Jahren des XVII. Jahrhunderts vorgenommen wurde, genau unterrichtet. Aus den Beschreibungen der einzelnen Städte und Dörfer, soweit sie sich vollinhaltlich erhalten haben, erfahren wir, daß meist ein, zwei bis drei Viertel der ehemaligen Wohnsitze unbesetzt und dem Verfall preisgegeben waren. Der dreißigjährige Krieg hat über Böhmen noch größeres Wehe gebracht als die Husitenkriege.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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