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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 374 -
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374 daß in Böhmen vor der Besiedlung des ganzen Landes durch ausschließlich slavische Stämme auch fremde, uicht slavische Stämme, unter diesen die germanischen Markomannen ansässig waren, so lag es nahe zu erklären, daß abgesehen von der ältesten Bevölkerung (deren Nationalität nicht bestimmt werden kann, da ein fester Anhaltspunkt fehlt), jene im Anfang der christlichen Aera und im ersten Jahrtausend auftauchenden Dolichokephalen eben die germanischen, bei uns angesiedelten Völker und ihre Nachkommen waren, welche jedoch in der Folge theils auswanderten, theils in der brachykephalen slavischen Bevölkerung, die bald das ganze Land überschwemmte, vollständig aufgingen. Dasselbe wiederholte sich bei den späteren deutschen Colonisten. Alle haben, da sie numerisch verhältnißmäßig schwächer als die Slaven waren, ihren ursprünglichen Typus eingebüßt, so daß gegenwärtig der cechische und deutsche Schädeltypus beinahe keinen Unterschied aufweist. Zu einem ähnlichen Resultate scheint auch die zweite äußere Eigenthümlichkeit der böhmischen Bevölkerung, nämlich die Farbe des Haares, der Augen und der Haut zu führe». Es ist uns aus dem Alterthum bekannt, daß die damaligen Germanen, die unablässig mit den Römern Krieg führten, von hoher Gestalt waren, daß sie lichtes, und zwar blondes oder röthliches Haar, eine lichte oder röthliche Gesichtsfarbe und blaue Augen hatten. Und in der That, man findet bis jetzt im nördlichen Europa, wo sich der Kern der Germanen verhältnißmäßig am reinsten vor Mischungen erhalten hat, so in Norddeutschland, hauptsächlich aber in Skandinavien den größten Procent- satz blonder Leute. Die Slaven dagegen zeigen uns einen durchschnittlich duuklen Typus, und zwar ist er desto dunkler, je weiter wir gegen Westen und Süden gehen. Während bei den Großrussen und Polen der Procentsatz der Blonden größer ist als der der Brünetten, zeigen die Bewohner der Ukrajine und der Gebirgsgegenden Galiziens schon ein umgekehrtes Verhältniß. Bei den Südslaven, den Serbo-Kroaten und Bosniern haben Dr. Weißbach und Major Himmel sogar über 90 Procent Brünette gefunden. In den böhmischen Ländern halten beide Typen einander im großen Ganzen das Gleichgewicht. In Schlesien fand man bei Schulkindern 22 7 Procent rein blonde gegen 18 4 Procent rein brünette, in Mähren war dies Verhältniß 19 5 Procent zu 22 4 Procent und in Böhmen 21 3 Procent zu 22 2 Procent. Die übrigen Procente entfallen überall auf gemischte Typen. Wir sehen demnach in Böhmen wie in Mähren einen etwas höheren Procentsatz der dunklen Typen. Daß die dunkle Complexion den Slaven eigenthümlich ist, dafür scheint auch zu sprechen, daß sich nach den interessanten Resultaten dieser Statistik der Schulkinder, welche auf Grundlage von amtlich gesammelten Daten im Jahre 1884 Dr. G. A. Schimmer ausgearbeitet hat, auch die Sprach- grenze im nördlichen Böhmen ziemlich übereinstimmend mit der anthropologischen deckt.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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