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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 376 -
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376 Längenindex auf eine ähnliche Spur, auf eine gewisse durchschnittliche Abnahme der Brachykephalie in deutschen Gegenden kommen wird. Auf Grund der Erforschung dieser beiden Eigenschaften im Typus der Bevölkerung Böhmens mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Zustand, auf alte, historische Nachrichten und Funde in böhmischen und deutschen Ländern scheint also der Schluß der böhmischen Anthropologie berechtigt zu sein, daß sich jetzt beide im Lande wohnende Völkerschaften anthropologisch fast gar nicht oder nur im geringen Grade unterscheiden (wie es bis jetzt eigentlich nur in der Complexion bewiesen wurde), daß jedoch in der Vergangenheit dieser Unterschied bedeutend war, daß, während die Cechen als ein slavischer Stamm znm brachykephalen Typus und dunkler Complexion gehörten, die Germanen dagegen Dolichokephali waren und auch blond und blauäugig, und daß die germanischen Colo- nisten, die sich in Böhmen ansiedelten, in anthropologischer Hinsicht allmälig aufgingen in der ursprünglichen slavischen Bevölkerung; in nationaler Hinsicht haben sie jedoch einen beträchtlichen Theil der ursprünglichen slavischen Bevölkerung germanisirt. Diese auf den ersten Blick so natürliche und verlockende Erklärung hat nichts destoweniger mehrere schwache Seiten, und es widerspricht ihr auch eine ganze Reihe positiver Daten. Es kam schon Professor I. Kollmann in Basel und nach ihm eine ganze Reihe anderer Anthropologen und Archäologen ersten Grades, unter den Deutschen hauptsächlich R. Virchow, unter den Russen P. A. Bogdanov zu ganz anderen Resultaten, und sie sprechen den ehemaligen Slaven statt der ursprünglichen slavischen Brachykephalie und dunklen Complexion mehr oder weniger bestimmt einen, dem ursprünglichen deutschen ähnlichen Typus zu. Zu dieser Anschauung brachten sie eine ganze Reihe von Belegen, die wir hier freilich ausführlich nicht aufzählen können. Nur kurz wollen wir sie berühren. Vor Allem sind nicht alle Slaven gleich brachykephal. Schon im Jahre 1861 hat Dr. Weißbach richtig constatirt, daß die nördlichen Slaven einen verhältnißmäßig engeren und zugleich auch niedrigeren Schädel als die Südslaven haben, wobei die Cechen und Slovaken mehr brachykephal als die Polen und Rnthenen sind, kurz daß die Brachykephalie bei den Slaven gegen Westen und Süden, also etwa in der Richtung gegen das Centrum von Europa, gegen die Alpen, zunimmt. Ferner gehört in den alten polnischen und russischen Grabstätten, namentlich in den Gegenden am Ober- und Mittellaufe des Dnjepr, also theilweise im heutigen Polen und in den russischen Gouvernements von Kiew, Poltava, Cernigov, Mogilev, Smolensk u. s. w., die von altersher die Heimat der Slaven waren, bei weitem die Mehrzahl der Schädel zu den ausgesprochenen Dolichokephalen. Die russischen Archäologen ersetzen daher die Benennung des dolichokephalen Typus mit der Bezeichnung „Kurgan-Typus".
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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