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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 393 -
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393 warm und flammt auf, namentlich wenn es sich um seine nationale Ehre handelt. Ein sprechender Beweis dafür ist die Thatsache, daß es dreißig Jahre hindurch beharrlich sammelte, bis es sein prächtiges Nationaltheater aufbaute, und daß es, nachdem jenes kaum aufgebaut, ein Raub der Flammen geworden war, durch neue Sammlungen, die in kurzer Zeit über eine Million Gulden ergaben, in zwei Jahren ein neues Theater ausführte. Sein Vaterland liebt der Böhme innig. Ein beinahe krankhaftes Heimweh erfaßt ihn, wenn er außerhalb der Heimat weilt; vom Volke wird es „ckomäci nsmoe" (heimische Krankheit) genannt. Wohl zieht er, wenn er daheim keinen Unterhalt findet, in die Fremde; doch auch dort hört er nicht auf, sich nach seinem Vaterlande zu sehnen und nach seinen Kräften ihm zu nützen, namentlich durch Sammlungen zum Zweck verschiedener National- unternehmungen, wie es die Böhmen in Amerika beweisen, die massenhaft Böhmen und besonders Prag besuchen, um wiederum ihre alte Heimat zu sehen und sie auch den Kindern zu zeigen. Das böhmische Volk hat einen religiösen, aber grübelnden Sinn und ist zäh in seinen religiösen Überzeugungen. Aus dieser religiösen Grübelei, die manchmal sogar in Schwärmerei überging, gingen in früheren Jahrhunderten, zur Zeit der Husitenkriege und nach denselben, ja noch im achtzehnten Jahrhundert, als trotz aller Verbote und Verfolgungen viele sich im Geheimen zur evangelischen, meist helvetischen Lehre und zu jener der böhmischen Brüder bekannten und für sie, häufig einfache Bauern, ihr Gut und Alles verließen und in die Verbannung gingen, die vielen religiösen Parteien und Secten hervor, so daß in dieser Beziehung nicht leicht ein anderes Land, England und Schottland ausgenommen, eine so mannigfache und interessante Geschichte hat. Doch selbst heutzutage noch grübelt das böhmische Volk gern über ernste religiöse Fragen oder philosophirt über die Predigt des Geistlichen (pan pater oder velebnieek) und über die Lectüre und Auslegungen in der Postille. Typisch sind die Bibelsreuude (bidlüri oder pismäci) und Bücherfreunde (eteoati), die freilich mit der zunehmenden Schulbildung allmälig verschwin- den. Früher hatte fast jedes Dorf seinen urwüchsigen Philosophen, der sich eifrig mit der Bibel (pisinäk) oder überhaupt mit Büchern (ötenät) beschäftigte und das Gelesene auszulegen suchte. Das böhmische Volk liest überhaupt gern, besonders im Winter. Da lesen entweder Einzelne für sich oder es lesen Vorleser, gewöhnlich ein gewandter Schüler oder eine Schülerin, am Abend der ganzen Familie und dem Gesinde vor. In neuerer Zeit haben auch Zeitungen in breitere Schichten Eingang gefunden, weil das Volk zum großen Theil sich lebhaft mit politischen Fragen abgibt. Als Landmann ist der Böhme emsig und erfinderisch. Seiner Gerätschaften zum Ackern, seiner Pflüge der verschiedensten Art (Hackenpflüge, Räderpflüge n. a.),
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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