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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 394 -
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394 am meisten aber seines Sturzpfluges, der ein Werk zweier Dorfbewohner, der Gebrüder Veverka, ist, kann er sich mit Recht überall rühmen. Geistig ist das böhmische Volk sehr begabt. Davon zeugt die stattliche Reihe von Gelehrten, die, oft aus dem Bauern- stande oder aus einer kleinen Stadt hervorgehend, entweder zu Hause oder in der Fremde die Wissenschaft bereicherten und zur Entfaltung der europäischen Cultur wesentlich und oft entscheidend beitrugen. Nicht weniger bedeutend ist die künstlerische Begabung, namentlich für Musik, wie sich dies im Volksliede nnd überhaupt in allen Produkten der Volksmuse durch zahlreiche poetische Autodidaete und durch eine bedeutende Reihe aus dem Volke hervorgehender Künstler zeigt. Davon umfaßt die größte Legion Tonkünstler, Componisten nnd Musiker, die in der Fremde und zu Hause wirkten oder jetzt noch wirken, abgesehen freilich von jenen zahlreichen Truppen wandernder „böhmischer Musikanten" (Sumaii), denen wir selbst weit in der Fremde begegnen, in Rußland, Rumänien, in Egypten, in Asien. Für die Bildung überhaupt, wie für jedeu Fortschritt zeigt der Böhme lebhaften Sinn. Dafür zeugt das Streben selbst armer Eltern, ihre Kinder in irgend etwas unterrichten zu lassen, sie in die Schulen zu geben, um ihueu durch bessere Bildung eine bessere Stellung zu sicher«. In die Hunderttausende gehen die Summen, welche böhmische Gemeinden auf Mittelschulen verwenden, die sie auf eigene Kosten errichten, ein sprechender Beweis ihres regen Sinnes für Bildung und Fortschritt. Die Ausdauer und Findigkeit, die der Böhme bei der Arbeit bewährt, wobei er in seinen Bedürfnissen bescheiden ist, sind allgemein anerkannt. Auch erfinderisch ist er, aber wenig unternehmend. Daher erklärt es sich, daß die böhmisch-slavische Großindustrie, obgleich sie in letzter Zeit sich bedeutend gehoben hat, doch nicht auf jener Stufe steht, auf der sie bei der Begabung des böhmischen Volkes und selbst auch bei dem Vorhandensein nöthiger Mittel stehen könnte. Der Böhme kann sparen, aber er zeigt sich auch aufgeräumt und lustig. Er singt und tanzt gern. Sein Volkslied, innig gefühlt, zwar oft elegisch, nie aber besonders düster, vielmehr oft launig, oft ironisch mit satirischen Seitenhieben, und seine Vorliebe für helle Farben, namentlich bei der weiblichen Tracht, verrathen diesen fröhlichen Charakter. Wie im Liede, so äußern sich Witz und Humor auch in Sprichwörtern und Redensarten, in zahlreichen örtlichen Schimpfwörtern und in Erzählungen. Der böhmische Bauer verkehrt mit dem Chalnpner oder Häusler wie ein Magnat. Bei den Tanzunterhaltungen jetzt werden aber auch schon Bälle gegeben) kommt am ehesten der „Furiant", der im böhmischen Dorfbewohner, besonders im Bauer steckt, zum Vorschein. Dieser zeigt sich dann am meisten in stolzem Eigensinn; er verursacht oft auch lange und kostspielige Processe, manchmal um eiuer unbedeutenden Sache willen, obgleich man wiederum anch dem Böhmen nachsagt, daß er ihm zugefügtes
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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