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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 395 -
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395 Unrecht bald vergißt. Seit jeher haben die Böhmen an sich selbst bemerkt, daß sie den Landsmann nicht so sehr schätzen wie den Fremden und daß sie namentlich in der Tracht und sonst auch in mancher oft unschönen Gewohnheit dem Fremden folgen. Im Allgemeinen bildet Gutherzigkeit den Grundzug des böhmischen Charakters, daneben große Vertrauensseligkeit auch dem Feinde gegenüber. Wird der Böhme aber beleidigt oder hintergangen, so ist er zum Widerstand entschlossen und unnachgiebig, so daß der „böhmische harte Schädel" sprichwörtlich geworden ist. Aus der Gutherzigkeit entspringt auch die Gastfreundschaft und ein inniges Familienleben. Gastfreundlich war der Böhme immer. Einst war der Fremde auf dem Gute noch willkommener als heutzutage, mochte es nun eiu Drahtbinder sein, der nach dem Nachtmahl den Kindern Märchen erzählte, oder ein anderer Wanderer, der Neuigkeiten aus der Fremde brachte und von seinen eigenen oder von fremden Abenteuern oder auch launige Geschichtchen erzählte. Bis zur Meisterschaft brachten es hierin die wandernden Mühlburschen (ki-krjünlcove), die durch ihre Possen bekannte typische Figuren geworden sind. Das Volkslied gibt die in der Familie herrschende Liebe wieder, wie auch jene zärtlichen Ausdrücke, mit denen die Mutter ihr Kind an der Wiege und im Gespräch anredet und die man häufig in eine fremde Sprache nicht übersetzen kann, ohne daß sie viel von ihrer Zärtlichkeit verlieren. Sie sind durchaus nicht blos ein gekünstelter Reflex des herzlichen böhmischen Familienlebens. Aber in den Dörfern werfen häufig die unerfreulichen Verhältnisse zwischen dem Wirth und dem Ausgediuger ihren Schatten auf das letztere. Auch die Nachbarschaftsverhältnisse sind gewöhnlich in einem böhmischen Dorfe herzlich und aufrichtig, so daß man hier, wie in einer einzigen Verwandtschaft, nur die Ansprachen „kinotre- (Gevatter), (deminutiv), ,kmoti'icko* (Gevatterin), ,strHcku" (Vetter), »tetieko- (Tante) hört, obgleich heute auch hierin so manche Ver- änderung vor sich geht. Das Dützen zwischen den Älteren und Jüngeren und unter Alters- genossen ist nicht mehr so allgemein wie früher, und neben dem treuherzigen .kmotie", ,slreMu«,hört man schon, namentlich in reicheren Gegenden, das städtische (Herr). Im Kampfe ist der Böhme tapfer. Seine Geschichte ist eine Kette von Kämpfen, seine Tapferkeit hat er nicht blos in früheren Zeiten in Kämpfen mit oft stärkeren Feinden, sondern auch in neuerer Zeit auf so manchem Schlachtfelde bewährt, uud er kann auf Heerführer weisen, die in der Kriegsgeschichte den besten Ehrenplatz einnehmen. Der böhmische Soldat ist ausdauernd, kühn und muthig und bewährt sich namentlich dort, wo eine größere Intelligenz erforderlich ist, zum Beispiel beim Geniewesen und bei der Artillerie. Mythen , Märchen nnd Sagen. Das böhmische Volk besitzt einen großen Schatz von Märchen, Mythen und Sagen. Manche sind ein Erbstück aus uralten Zeiten,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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