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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Böhmen (1), Band 14
Seite - 399 -
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399 Auf einem Feuerbrand, einer Feuerkrücke, Flachsbreche oder auf einem Besen fliegenHexen hernm, gegen deren Zaubereien ein Kranz aus dem mächtigen Beifußkraute schützt. Nur bei der Geburt eiues Menschen, aber ungesehen, erscheinen die suäics (Schicksalsgöttinnen), drei weiße Jungfrauen mit Stöcken und Kerzen,um dem Neugeborenen seine Lebensaufgabe zu bestimmen. Sehen kann sie nur, wer eine» Kienspan aus Fichten- holz unter einer Weide am Bach auf siebeu Tage vergräbt und einen daraus gehaueneu Knorren im Johannisfener verbrennt. Wenn er dann durch das nach dem Knorren verbliebene Loch schaut, so sieht er bei der Gebnrt irgend eines Kindes die drei Jungfrauen. Die menschliche Seele verläßt manchmal noch zu Lebenszeiten durch den Mund den Körper und fährt dann bei Nacht oder untertags als Wiudhose oder als Wirbelwind (vötriee) nach einem Banme des Weges einher. Wer einen solchen Wirbel erblickt, soll dreimal ausspucken, damit er ihn nicht anblase, dagegen kein offenes Messer in den Wirbel hineinwerfen, sonst möchte er schwer den schlafenden Körper jener im Wirbel befindlichen Seele verwunden. Häufiger jedoch schleicht sich eine Seele, die den Körper eines Lebenden (oder auch Todten) verlassen hat, in verschiedenen Gestalten in das Haus, legt sich deu Schlafenden auf die Brust, würgt, plagt oder saugt sie aus, so daß sie beinahe ersticken. Die so herumgehende Seele ist die Trnd (muru, morous) und der von ihr Geplagte kann sich nur dadurch befreien, daß er ihr etwas verspricht, wenn auch nur eine Kleinigkeit. Dadurch überzeugt er sich auch, wer ihn würgte, denn derjenige, dessen Seele in der Nacht als Trud herumgeht, kommt selbst und holt sich am Morgen die versprochene Sache ab. Viele Sagen sind auch von anderen Seelen, welche Schätze bewachen oder ruhelos in der Nacht hernmirren und warten, bis sie Jemand befreit, im Volke verbreitet oder von Todten, wie zum Beispiel vom todten Bräutigam, der in der Nacht seine lebende Geliebte abholt, oder von Todten auf dem Friedhofe, die einmal im Jahre in der Kirche zusammenkommen, und zwar vor der Frühmette, welche ein verstorbener Geistlicher hält. Und es ist nicht rathsam, daß sich ein Lebender in diesem Augenblick ihnen beigeselle, wie die Sage von dem Mädchen erzählt, das seltsamer Weise in die Mette der Todten kam und dem Verderben nur durch die Liebe ihrer verstorbenen Großmutter entging, die ihr rechtzeitig ein Zeichen gab, sie möchte fliehen. Verbreitet ist auch die Sage von dem Dudelsack- pfeifer Svanda, der deu bösen Geistern zu ihrem wilden Reigen spielte, bis er dann auf einem Galgen aufwachte. Überaus zahlreich treten auch Geister und Teufel, Hexen, Zauberer, Drachen und Lindwürmer, Riesen und Zwerge in den Volksmärchen neben Königen, Prinzen, Prinzessinnen und anderen auf, uud zwar in verzauberten Schlössern, auf einem Glasberge, jenseits des Meeres oder auf Zauberiuselu und in Zaubergärten, iu Grotten nnd wüsten Wäldern.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Böhmen (1), Band 14
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Böhmen (1)
Band
14
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1894
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.78 x 21.93 cm
Seiten
634
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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